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Der Ölboom macht's möglich: Aserbaidschans Präsident vor der Wiederwahl

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Der Ölboom macht's möglich: Aserbaidschans Präsident vor der Wiederwahl

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Wolkenkratzer, Fünf-Sterne-Hotels, exklusive Boutiquen: Die aserbaidschansche Hauptstadt Baku hat sich in den letzten Jahren zu einer modernen Metropole gemausert. Staatschef Ilcham Alijew hat dem Ölstaat Wohlstand gebracht – das er aus der Präsidentschaftswahl als Sieger hervorgeht, gilt angesichts dessen als abgemacht. “Ich gehöre zur russischen Minderheit und fühle mich wohl in meiner Heimatstadt”, so eine Passantin. “Ich bin glücklich. Und natürlich werde ich Denjenigen wählen, der das alles möglich gemacht hat.” Ein Mann erklärt: “Wir werden für ein gutes Leben stimmen, für unseren Präsidenten. Wir sehen die Erfolge, sowohl international, als auch daheim in unserem Land.”

Das Brutto-Inlandsprodukt des Landes wuchs innerhalb von neun Jahren von mehr als 600 Euro pro Kopf auf fast 6000. Nirgends sonst auf der Welt gab es solch eine steile Entwicklung. Da scheint eine Wiederwahl von Präsident Ilcham Alijew mehr als sicher. Ein Ende der Familiendynastie ist also nicht in Sicht: Ilcham hatte sein Amt vor neun Jahren von seinem Vater Heyder Alijew übernommen, einem bis heute kultisch verehrten Politiker. Die Abstimmung wurde von Beobachtern allerdings wegen ihres Ablaufs kritisiert, wie auch Ilchams Wiederwahl 2008.

Trotz allem, der Präsident befindet sich auf dem Gipfel seiner Macht. Solange die Ölreserven des Landes nicht erschöpft sind und es keinen Krieg mit dem Nachbarn Armenien gibt, wird sich daran auch nichts zu ändern. Denn selbst bei der Jugend verfügt der Präsident über einen starken Rückhalt. Der Präsident ist sich seiner Macht sogar so sicher, dass er vor der heutigen Wahl plötzlich Demonstrationen der Opposition erlaubte, auch TV-Debatten fanden statt. Ilcham Alijew selbst machte allerdings gar keinen Wahlkampf.

“Es gibt in Aserbaidschan kein demokratisches Umfeld”, so der Präsidentschaftskandidat der Opposition, Jamil Hasanly. “Die Regierung will keine demokratischen und freien Wahlen abhalten. Es gibt keine demokratische Atmosphäre in diesem Land.” Dutzende Oppositionelle wurden in diesem Jahr verhaftet, insgesamt sitzen mehr als 140 im Gefängnis. Menschenrechtsgruppen kritisieren den Westen, weil er nichts gegen Alijews Politik der harten Hand unternimmt. Der Grund dafür sei vor allem Europas Abhängigkeit vom aserbaidschanischen Öl.