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Ein Reisepass für den Berufseinstieg

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Ein Reisepass für den Berufseinstieg

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Vor einem Jahr hätte sich Julian nicht träumen lassen, dass er einmal an einer Zirkusvorführung teilnehmen wird. Aber genau das tut er jetzt im Rahmen einer Bildungsinitiative mit dem Ziel, die Jugendarbeitslosigkeit zu verringern.

“Früher habe ich mich nicht für Sachen interessiert, die mit Akrobatik zu tun haben”, erzählt Julian. “Deshalb habe ich mehr zuhause gehockt als draußen. Jetzt bin ich offener geworden und es ist kein Problem mehr, vor einem Publikum zu stehen. Das hat mir gezeigt, dass man aus nichts etwas machen kann.”

Das Projekt stärkt das Selbstbewusstsein der Teilnehmer, erklärt Julian: “Ich kann Menschen helfen, wenn sie Probleme haben, denn ich bin meistens der, der schnell etwas lernt. Den Leuten, die nicht so schnell sind, versuche ich langsam aber ordentlich zu erklären, wie es funktioniert.”

Die Initiative konzentriert sich auf die Stärken der Jugendlichen außerhalb ihrer Schulbildung. Pauls Interessen sind Kunst und Musik. “Ich habe nach dem Projekt Sachen gemacht, die man mir nicht zugetraut hat, und das hat einige Menschen schon überrascht.”

“Vor dem Projekt war ich ein ganz normaler Typ, der einfach zur Schule ging, aber nicht seine ganzen Stärken gezeigt hat”, berichtet Paul. Aber später wurde das anders und er bemerkte, dass ihn die Leute auf der Straße erkannten.

Die Initiative zielt darauf ab, das individuelle Charisma der Jugendlichen zu entwickeln und nennt sich daher “Charism”. Heike Kölln-Prisner von der Volkshochschule Hamburg erläutert das Prinzip: “Es geht darum, den Übergang von der Schule in das Berufsleben zu erleichtern. Um ihr Selbstvertrauen zu stärken, werden die Jugendlichen aufgefordert, über ihre persönlichen Stärken nachzudenken. Sie müssen dann selbst entscheiden, in welche Richtung sie sich weiterentwickeln wollen.”

Im Laufe des Projekts sollen die Teilnehmer eine Art Personalausweis oder Reisepass bekommen, der alle ihre Fähigkeiten und Interessen aufführt. Neben der Schulbildung finden sich dann Hobbies, freiwillige Tätigkeiten und weitere Fähigkeiten. Diese ganzheitliche Darstellung der persönlichen Fertigkeiten gibt Arbeitgebern mehr Informationen als die herkömmliche Berwerbung und stärkt das Selbstbewußtsein der Bewerber.

“Früher bin ich nicht so auf Menschen eingegangen”, erinnert sich Paul, “aber jetzt, nach dem Projekt, gehe ich mehr auf Leute zu und bin offener und freier.”

Drei Aspekte dieser Methode erleichtern den Jugendlichen den Berufseinstieg, erklärt Heike Köln-Prisner: “Erstens, helfen wir den Jugendlichen, ihre Stärken, Entwicklungsmöglichkeiten und Neigungen zu erkennen. Zweitens geben wir ihnen die entsprechenden Werkzeuge und Dokumente. Und durch die Förderung ihrer Entwicklung in Zusammenarbeit mit anderen erwerben sie drittens die Fähigkeit, über sich selbst zu reflektieren.”

Mehr Informationen gibt es auf den sozialen Medienseiten des Charism-Projekts der Europäischen Union.