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Sanfter Tourismus und Wiederaufforstung: Gambia setzt auf Ökotourismus


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Sanfter Tourismus und Wiederaufforstung: Gambia setzt auf Ökotourismus

Der afrikanische Kontinent ist bekannt für seine Flora und Fauna. In Gambia muss man zum Himmel schauen, um sich klar zu werden, dass das Land ein riesiges Freiluft-Vogelhaus ist. Mehr als 500 Arten gibt es hier, darunter einige sehr seltene. Als Führer bei der Vogelbeobachtung haben wir einen Profi gesucht: Solomon Jallow, Ornithologe, professioneller Führer und berühmt in ganz Westafrika: “Wir sind hier im Nationalpark, der Tanji Vogelreservat genannt wird. Dahinter schließt sich der Atlantische Ozean an, wo Zugvögel aus verschiedenen Ländern einfliegen und dann auf einer Insel hier brüten. Deshalb ist dieses Naturreservat sehr wichtig für die Gambier und auch interessant für Touristen.”

Der Tourismus, eine wichtige Einnahmequelle, soll nicht zu Lasten der Tier- und Pflanzenwelt und der einheimischen Bevölkerung gehen. Ökotourismus ist das Schlagwort. Jallow wirbt: “Unsere Vögel sind nicht aggressiv, man kann sehr nah an sie herankommen. Und wir haben sehr, sehr farbenprächtige Vögel und sehr bedeutende Arten auf der Vogelliste. Zu bestimmten Zeiten sehen Sie die meisten Arten, die man in Afrika sehen sollte, in Gambia.”

Ein Tourist lobt: “Es ist ein perfekter Ausgangspunkt für Reisen in Afrika, denn man hat hier sehr gute Führer, ein wundervolles Habitat, und die Vögel sind meist sehr leicht zu sehen.”

Ortswechsel: weiter südlich auf dem Fluss Mandia, auf dem Weg zu einer Lodge. Gambia will Ökotourismus mit hohen Qualitätsstandards anbieten, nach dem Vorbild von Makasutu, was so viel heißt wie ‘heiliger Wald’ im regionalen Dialekt. Makasutu wurde von der Sunday Times zum weltbesten Öko-Feriendomizil gewählt.

Es ist eine privat geführte Ferienanlage. Zwei Briten kamen Anfang der neunziger Jahre hierher, ursprünglich, um Hütten für Rucksacktouristen zu bauen. Doch als in der Zwischenzeit die Anwohner hunderte Palmen abholzten, entstand die Öko-Idee: Wiederaufforstung tausender Bäume, Solarenergie für die Hütten – und neue Jobs für die Bewohner an Ort und Stelle, betont Gründer und Geschäftsführer Lawrence Williams: “Alle unsere Angestellten kommen aus den Dörfern in der Umgebung. Wir haben uns aber auch um den Wald gekümmert und versucht, zu gewährleisten, dass das Umland, nicht nur unsere direkte Umgebung, sondern der Wald und die Mangroven rundherum, ebenfalls geschützt werden.”

Damit nicht genug: “Eins unserer Projekte ist das Ballabu Conversation Project auf einer Fläche von 85 Quadratkilometern rund um Makasutu. Neu dabei sind die ‘weit offenen Mauern’, ein Straßenkunstprojekt”, erzählt Williams. “In den vergangenen drei Jahren habe ich Künstler aus aller Welt hierher gebeten, um in den Dörfern die Hauswände der Anwohner zu bemalen. Der Plan ist, Touristen in die Gegend zu holen, die sich diese Graffiti-Kunst ansehen. Das soll den Gemeinden ein direktes Einkommen verschaffen.”

Ein anderes Beispiel: Das Sandele Eco Retreat, ebenfalls auf Ökotourismus spezialisiert und bestrebt, so neue Einnahmequellen für die Anwohner zu schaffen. Darüberhinaus betreibt die Sandele-Stiftung Lernprojekte. Auch hier standen zwei Briten Pate, es gibt Partnerprogramme mit einer Schule und einer Universität in Großbritannien. Der Manager erläutert: “Die Philosophie besteht vor allem darin, den Anwohnern hier zu helfen. Die Gebäude werden von ihnen errichtet, wir benutzen keinen Zement und der Strom kommt aus Solarzellen.”

Gambia – das sind nicht nur Vögel, Buschböcke und Krokodile. Nach dem Verschwinden ihrer letzten Artgenossen Anfang des 20. Jahrhunderts wurden hier erfolgreich Schimpansen ausgewildert. 1979 gestartet, ist es das älteste Projekt seiner Art in Westafrika. Inzwischen leben mehr als hundert Schimpansen auf einer Inselgruppe im Gambia-Fluss. Die Touristen können sie nur aus der Ferne vom Flussufer aus besichtigen, aus einfach eingerichteten Zelten. Auch hier verfolgt man das Konzept des Ökotourismus. Projektmanager Patrick Lewis: “Die Schimpansen sind unsere Priorität, aber aktuell sorgt uns die Finanzierung, wir brauchen externe Geldquellen. Wir haben ein Ökotourismus-Projekt entwickelt, um Geld für das Futter und für unsere Arbeit zur Versorgung der Tiere einnehmen zu können.”

Bonus:
Tourism in Gambia, interview with the Minister of Tourism and Culture

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