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Neue US-Zentralbankchefin an der Zahnpasta-Tube

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Neue US-Zentralbankchefin an der Zahnpasta-Tube

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Sie ist die lockerste von allen Geldpolitikern. Aber Janet Yellen wird die sein müssen, die die sprichwörtliche Zahnpasta wieder in die Tube kriegt. US-Präsident Barack Obama setzt die Architektin der ultralaxen Geldpolitik auf den Chefsessel der mächtigsten Zentralbank der Welt. Ab Februar 2014 leitet zum erstenmal in der hundertjährigen Geschichte eine Frau die Federal Reserve.

Zentralbanker wie Ben Bernanke (Fed-Chef) und Jean-Claude Trichet (EZB-Chef 2003-2011) sagen, die Geldmenge zu reduzieren sei so einfach, wie Zahnpasta zurück in die Tube zu schieben. Nämlich so gut wie unmöglich.

Die 67-jährige Yellen, eine ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin, hat die aktuelle Geldpolitik der Fed mit zu verantworten: Solange die Arbeitslosenquote höher ist als 6,5 Prozent – vermutlich bis Mitte 2014 – dürften zur “quantitativen Lockerung” jeden Monat weiter Wertpapiere aufgekauft werden, in Gegenzug fließen 85 Milliarden Dollar in die Wirtschaft. Die Börsen boomen, nie war das Geldvermögen so hoch wie heute. Die Gefahr: Inflation, explosionsgefährliche Blasen.

Schon jetzt wird der Fed vorgeworfen, an
der weltweiten Finanzkrise ab 2007 mit schuld zu sein. Wieso? Weil sie die Zinsen nach der Rezession 2001 zu niedrig gehalten habe – soll heißen, sie bekam in einer Situation wie heute die Pasta eben nicht rechtzeitig zurück in die Tube.

Auch Obama ist sich dieser Gefahr bewusst: Der künftige Fed-Chef müsse darauf achten, Blasen in der Wirtschaft nicht zu begünstigen, schrieb der Präsident der Bernanke-Nachfolgerin wenige Tage vor der Nominierung ins Stammbuch. Es gelte, Inflation und Arbeitslosigkeit zugleich im Auge zu behalten.

Sigrid Ulrich mit Reuters