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Edith Piaf: 50 Fotos zum 50. Todestag

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Edith Piaf: 50 Fotos zum 50. Todestag

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Hugues Vassal war einer der Wegbegleiter der großen Edith Piaf. Anlässlich ihres 50. Todestages erinnert sich der Fotograf auf seine Weise an Frankreichs berühmteste Chansonsängerin mit einer Ausstellung im französischen Tours. 50 Aufnahmen aus den letzten Lebensjahren der Piaf, die der damals blutjunge Vassal als offizieller Fotograf und Vertrauter hautnah miterlebte. Schlüsselmomente im Werk einer Ausnahmekünstlerin.

Hugues Vassal: “Die Aufnahme stammt von 1960. Edith Piaf bereitet ein Konzert im Pariser Olympia vor und übt den Song Milord. Am Klavier sehen wir Georges Moustaki, der ihr etwas erklärt. Die Proben dauerten viele Stunden, manchmal bis weit nach Mitternacht.”

Bekannt ist die Ikone des französischen Chansons auch für ihre verführerische Ausstrahlung, zeitlebens sammelte sie Liebhaber. Mit vielen arbeitete sie zusammen und verhalf ihnen zum Ruhm.

Hugues Vassal: “Als sie mit Félix Marten zusammen war, sah ich sie eines Tages stricken. Das ist für Félix, sagte sie. Ein anderes Mal sah ich sie wieder stricken, diesmal für Georges Moustaki. Später strickte sie natürlich auch für Charles Dumont. Ich habe niemals einen fertigen Pullover gesehen. Sie kam nicht dazu, zu schnell fand sie einen neuen Mann.”

1962, ein Jahr vor ihrem Tod, heiratete sie den über 20 Jahre jüngeren Sänger Théo Sarapo und sorgte damit für einen der letzten Skandale ihres Lebens.

Hugues Vassal: “Dieses Foto ist für mich besonders bewegend, weil es etwa sechs Monate vor Ediths Tod entstand. Sie hatte gerade eine Tournee beendet und war dabei, auszubrennen, wie eine Kerze. Während eines Spaziergangs im Park drehte sie sich zu mir um und sagte: Adieu.”

Ihre unvergleichliche Stimme holte Edith Piaf quasi von der Straße ins Rampenlicht. Der “Spatz von Paris” füllte Konzertsäle und wurde zum Weltstar. Als Bruno Coquatrix, der Direktor des Pariser Olympia, sie 1960 um Hilfe bat, war sie selbstverständlich da.

Hugues Vassal: “Edith, bitte hilf mir, ich bin gezwungen, das Olympia zu schließen, die Banken spielen nicht mehr mit, ich bin ruiniert. Edith überlegte einen Moment lang und sagte dann mit einem kleinen Lächeln: Ich werde Dir Dein Olympia retten! Und sie sang für ihn: Non, je ne regrette rien. Das Chanson sollte sie drei Monate lang singen, gratis, ohne Gage. Und das Olympia war gerettet.”

Dafür sollte die Bühne Edith Piaf in vielen unglücklichen Momenten aus der Verzweiflung helfen: als ihre kleine Tochter starb und später der Boxer Marcel Cerdan, die große Liebe ihres Lebens. Von schweren gesundheitlichen Problemen gezeichnet, starb die große Dame des französischen Chansons am 10. Oktober 1963. Zwei Millionen Menschen kamen zu ihrem Begräbnis.

Hugues Vassal: “Es war eine beeindruckende Menschenmenge. Auf dem Friedhof war die gesamte Mannschaft versammelt, um der Mutter, der Chefin, der Seele unseres Lebens, ein letztes Mal zu folgen. Ich sagte zum Journalisten Jean Noli: Schau, sie feiert noch einmal einen Triumph’.”

Hugues Vassal machte rund zehntausend Aufnahmen von Edith Piaf, reiste später als Fotoreporter um die Welt und war Mitbegründer der Agentur Gamma. Bereuen tut er bis heute nichts, wie Edith Piaf in dem Chanson “Je ne regrette rien”.

Hugues Vassal zeigt seine Fotos unter dem Titel “Edith Piaf 50 photos pour le 50ème anniversaire de sa disparition” bis zum 13. Oktober in Tours, im Hôtel du Grand Commandement. Die Schau endet mit einer Versteigerung am letzten Ausstellungstag.

Der Bildband des Fotografen Hugues Vassal “Edith Piaf une vie en noir et blanc” ist beim französischen Verlag Editions du Signe erschienen.