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Milizenchaos in Libyen

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Milizenchaos in Libyen

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Die genauen Umstände der vorübergehenden Festnahme des libyschen Regierungschefs sind weiterhin unklar. Offenbar steht die Aktion jedoch im Zusammenhang mit dem umstrittenen Einsatz eines US-Sonderkommandos am Wochenende.

Am Dienstag versuchte Ministerpräsident Ali Seidan die aufgewühlten Gemüter zu beruhigen: “Wir haben eine freundschaftliche Beziehung zu den USA, die auf Kooperation beruht. Die Amerikaner haben uns bei unserer Revolution geholfen.Dieses Ereignis wird unsere Beziehungen nicht stören.”

Das Ereignis, von dem Seidan sprach, war die Verschleppung des mutmaßlichen al-Kaida-Mitglieds Anas al-Libi am 6. Oktober. Viele Libyer — darunter auch Gegner von al-Kaida — betrachteten den US-Einsatz als eine Verletzung der Souveränität ihres Landes. Ali Seidan wurde vorgeworfen, die Aktion gebilligt zu haben.

Im ganzen Land kam es zu Protesten, so auch in Bengasi, wo der Aufstand gegen den vor zwei Jahren gestürzten ehemaligen Machthaber Muammar al-Gaddafi begann. Ein Jahr später erklärten Milizen, die noch heute weite Teile Libyens kontrollieren, die Autonomie der historischen Region Cyrenaika mit der Hauptstadt Bengasi.

Mit diesem Schritt drohte eine Rückkehr zur ehemaligen Dreiteilung Libyens in die ölreiche östliche Region Cyrenaika und die beiden westlichen Gebiete Tripolitanien und Fessan.

Zwei Jahre nach dem Sturz Gaddafis ist es der instabilen libyschen Regierung weder gelungen, die ehemaligen Rebellengruppen zu entwaffnen, noch gibt es eine funktionierende Armee oder Polizei. Einige der Milizen, die jeweils Teile des libyschen Territoriums kontrollieren, haben sich verschiedenen Ministerien untergeordnet.

Diese bewaffneten Gruppen werden jedoch meist nicht von den Politikern kontrolliert, sondern handeln häufig völlig selbständig je nach ihrer Interessenlage — und die schien in diesem Fall die Festnahme des Regierungschefs nahezulegen.