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Musik am Meer - die Welt des Komponisten Benjamin Britten

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Musik am Meer - die Welt des Komponisten Benjamin Britten

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Benjamin Brittens Oper “Peter Grimes” spielt in einem Fischerdorf an der englischen Ostküste und dort wurde sie — in einer spektakulären Inszenierung — am Strand unter freiem Himmel aufgeführt. Die Aufführung war im vergangenen Juni einer der Höhepunkte des Ende der 40er Jahre von Britten gegründeten Festivals in Aldeburgh, wo der Komponist den größten Teil seines Lebens verbrachte.

Ganz in der Nähe, in der englischen Grafschaft Suffolk, wurde Britten vor hundert Jahren geboren. Die Küste und das Meer haben seine Musik beeinflusst, so der Festivalleiter Jonathan Reekie. “Einige seiner Kompositionen vermitteln einen Eindruck von Licht und Weite”, so Reekie. “Ich glaube, so komponiert jemand, der gern am Meer ist. Es ist eine sehr offene Landschaft. Sie ist sehr flach. Der Himmel ist weit und es gibt hier herrliche Lichtspiele. Das besondere an dieser Gegend ist, dass sie irgendwie einfach und karg ist.”

Während sich Brittens Karriere als Komponist und Dirigent weiterentwickelte, wandelte sich sein Festival von einem anspruchsvollen aber provinziellen Ereignis zu einem weltweit berühmten Ort der Begegnung.

“Während der 70er Jahre erkannten Britten und sein Partner Peter Pears, dass unbedingt mehr für die Unterstützung junger professioneller Musiker getan werde müsse”, erklärt Jonathan Reekie. “Und so haben wir hier heute das ganze Jahr über ein riesiges Musikzentrum mit jungen Musikern in unterschiedlichen Phasen ihrer Entwicklung, die sich inspirieren lassen und Neues ausprobieren.”

Zur Hundertjahrfeier widmet sich eine Meisterklasse von jungen aber etablierten Musikern Brittens Streichquartetts. Cassandra Hamilton, die Leiterin des Bernadel-Quartetts, beschreibt, wie Brittens Musik auf sie wirkt: “Vieler seiner Kompositionen sind so intim, dass man sie ganz dicht bei sich halten muss, bevor man loslassen kann. Ich bin eben am Strand spazieren gegangen. Es ist so still hier. Es ist unglaublich. Man denkt an gar nichts und hört nichts.”

“Ich bin immer wieder erstaunt von der Vielseitigkeit seines Werks”, sagt Jonathan Reekie. “Britten war natürlich ein großartiger Komponist, der herrliche Musik geschrieben hat, aber er war auch ein ganz ungewöhnlicher Darsteller. Viele seiner Ideen waren radikal und seiner Zeit weit voraus. Etwa seine Vorstellung von Musikerziehung oder die Rolle des Komponisten in der Gemeinschaft. Diese Dinge tat er vor allen anderen in Europa.”

In den letzten Takten des Dritten Quartetts, das Britten gegen Ende seines Lebens komponierte, erstarrt die Musik in einem unaufgelösten Akkord —wie eine Frage.

“Ich glaube, diese Frage ist von der Art: Gibt es ein Leben nach dem Tod oder nicht”, glaubt Cassandra Hamilton. “Persönlich bin ich der Meinung, dass es darauf gar keine Antwort geben soll, und das gefällt mir. Es kommt so unerwartet, aber das ist im Grunde das Beste an Britten. Immer wieder überrascht er seine Zuhörer.”

Im November 2013, dem Jubiläumsmonat von Benjamin Britten, finden zahlreiche Veranstaltungen in Großbritannien und in anderen Ländern statt. Das Gesamtprogramm bis März 2014 finden Sie bei www.britten100.org