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Griechische Autorenfilme: Erfolgreich Trotz Krise

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Griechische Autorenfilme: Erfolgreich Trotz Krise

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In den vergangenen fünf Jahren hat das neue griechische Kino eine wahre Blütezeit erlebt, mit engagierten, originellen und innovativen Produktionen, der Wirtschaftskrise zum Trotz, oder vielleicht gerade ihretwegen. Einen Überblick über die aktuelle Filmernte gab das jüngste Internationale Filmfestival in Athen.

“Die neue griechische Filmemachergeneration ist ganz einfach viel besser, besser ausgebildet, kultivierter, offener”, sagt der künstlerische Direktor des Festivals, Orestis Andreadakis. “Außerdem führt die Finanzkrise dazu, dass sich Künstler für soziale Probleme öffnen und die Wirklichkeit genauer darzustellen. Ich glaube schließlich, dass die aktuelle Blüte des griechischen Kinos im Verlauf der Jahre sorgsam angelegt wurde. Wir ernten jetzt die Früchte.”

Zum Beispiel der Streifen “September” von Penny Panayotopoulou. Er handelt von einer jungen Frau, die völlig zurückgezogen mit ihrem Hund in einer kleinen Wohnung lebt. Als das Tier stirbt, beginnt sie sich bei der Nachbarfamilie einzunisten.

Der Film mit Minimalbudget war auf mehreren Festivals zu Gast, unter anderem in Karlsbad, Toronto und Hamburg. Wie beurteilt die Regisseurin die aktuelle Situation der griechischen Filmemacher?

Penny Panayotopoulou: “Die Branche ist heute offener denn je für Menschen, die Filme machen wollen. Es kommen immer mehr internationale Co-Produktionen zustande. Ausländische Produzenten vertrauen griechischen Filmemachern und sind eher dazu bereit, in griechische Filme zu investieren. Ich glaube jedoch nicht, dass dieser Trend anhalten wird, denn wir werden nicht ewig billig Filme drehen können. Das griechische Kino ist vielleicht derzeit angesagt, funktioniert aber ohne staatliche oder private Unterstützung. Was uns fehlt, ist eine strukturierte Filmförderung.”

“Luton” ist das Spielfilmdebüt des jungen Filmemachers Michalis Konstantatos und kam mit Unterstützung des Förderprogramms “Atelier du Festival” der Cinefondation auf dem Festival von Cannes zustande. Der Streifen, der das Leben dreier völlig unterschiedlicher Menschen verknüpft, wurde auf dem jüngsten Filmfestival von San Sebastian vorgestellt.

Regisseur Michalis Konstantatos schaut eher pessimistisch in die Zukunft.: “Die Filme griechischer Regisseure zeichnen sich durch ihre Ehrlichkeit und ihre Extrovertiertheit aus. Sie sprechen Themen an, die universell gültig sind, nicht nur in Griechenland. Griechische Regisseure verfügen über lächerlich wenig Geld. In Griechenland zu drehen war schon immer schwierig, heute umso mehr. Dass wir trotzdem weiter drehen können, liegt daran, dass wir effiziente Drehteams haben, die all ihre Energie einsetzen, sich gegenseitig unterstützen, oft auch ohne Geld. All diese Anstrengungen erreichen jedoch irgendwann eine Grenze.”

Alexandros Avranas gewann mit “Miss Violence” den Silbernen Löwen auf der Mostra in Venedig. Sein Schauspieler Themis Panou wurde als bester Darstellerpreis geehrt.

Hinter dem Streifen steht Faliro House Productions, eine der erfolgreichsten Produktionsfirmen des Landes. “Wie setzen auf Filmschaffende, die eine persönliche Vision haben”, erläutert Lelia Andronikou von Faliro House Productions. “Sie sind gewissermaßen die Vorhut der griechischen Filmindustrie. Dass diese Filme so viele Preise im Ausland gewinnen, liegt daran, dass sie eine ehrliche Sprache sprechen, die nicht nur die griechische Wirklichkeit betrifft, sondern international auf ein Echo stößt.”

Filmkritiker sprechen von einer neuen, griechischen Welle. Filme ohne Tabus, nicht immer leicht verdaulich, aber im internationalen Festivalbetrieb gefragt, meint euronews-Reporter
Yorgos Mitropoulos. “Von Yorgos Lanthimos Film “Dogtooth” 2009 bis zu Alexandros Avranas “Miss Violence” in diesem Jahr, haben griechische Produktionen auf internationalen Festivals über 30 wichtige Filmpreise gewonnen. Es sind Filme über zwischenmenschliche Beziehungen und Probleme, über die soziale und finanzielle Krise. Ganz offensichtlich schwimmt das griechische Kino ganz oben auf der Welle, der schweren finanziellen Lage im Land zum Trotz.