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Archäologischer Überblick mit Drohne und in 3D


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Archäologischer Überblick mit Drohne und in 3D

Der Ausgrabungsort befindet sich mitten auf der Autobahn A1 nahe Lausanne. Unter dem Asphalt suchen Schweizer Archäologen nach Überresten einer gallo-römischen Ansiedlung. Dabei stehen den Forschern moderne Technologien zur Verfügung. Eine Drohne liefert Luftaufnahmen. Anhand der Bilder soll eine 3D-Karte vom Ausgrabungsgebiet angelegt werden.

“Alle anderthalb bis zwei Meter wird ein Foto gemacht, um die Fläche möglichst genau abzudecken, indem sich die Aufnahmen überlagern”, erklärt Olivier Feihl, Direktor der Firma Archeotech. “Anhand dieser Fotos können wir die Fundstätte dreidimensional darstellen.”

Für die Archäologen eine kleine Revolution. Der 3D-Überblick beschleunigt ihre Arbeit um mehrere Tage, sogar Wochen, bestätigt der Archäologe Sebastien Freudiger. “Vorher mussten wir alles von Hand ausmessen und aufzeichnen, jede einzelne Mauer, jede einzelne Schicht. Mit der 3D-Technologie verfügen wir über eine informatisierte Datenbank.”

Nach zehn Minuten Flug sind die Bilder im Kasten. Der Rest, die Umwandlung in ein hochpräzises 3D-Modell, übernimmt der Computer. “Sämtliche Bilddaten werden in ein Fotogrammetrie-Programm gespeist und dann zusammengesetzt”, erklärt Olivier Feihl. “Auf dem Bildschirm sehen wir sämtliche Positionen, jedes blaue Rechteck entspricht einer Aufnahme. Dank GPS können wir das 3D-Modell mit einem Maßstab und einem Referenzhorizont ausstatten.”

Ihren Bildschatz wollen die Archäologen durchaus mit anderen teilen, meint Olivier Feihl. “Wir verfügen über eine reichhaltige Datenbank, die wir im Internet zugänglich machen, damit die Menschen die Ausgrabungen verfolgen können.”

Robert Michel ist Experte für prähistorische Keramik und ein Technikfreak, der andere an seiner Leidenschaft teilhaben lässt. “Ein Archäologe ist dazu in der Lage, sich vor einen Haufen Ruinen hinzusetzen und sich das Erscheinungsbild in 3D vorzustellen, zum Beispiel, wo sich die unterschiedlichen Räume in einer römischen Villa befanden und wozu sie dienten. Der ganz normale Alltagsmensch kann das nicht, er steht vor einem Steinhaufen und erkennt nicht, worum sich handelt.”

Zum Beispiel die gallo-römische Villenanlage von Vicques. Ein paar Grundmauern und ein Plan, den Rest muss sich der Besucher vorstellen. Robert Michel hat auf Grundlage des Online-Spiels “Second Life” ein interaktives 3D-Modell der Anlage geschaffen. Das ist nicht nur für den Privatgebrauch sehr nützlich. “Mehrere britische und amerikanische Universitäten erforschen historische Ausgrabungsstätten mit Hilfe von digitalen 3D-Modellen, die einfach zu handhaben sind”, meint Robert Michel.

Unweit von Vicques, nahe der französischen Stadt Montbéliard, befindet sich das gallo-römische Theater von Mandeure. Hier kann der Besucher dank Tablet 2000 Jahre in die Vergangenheit zurückreisen.

“Wir haben eine 3D-Rekonstruktion des Theaters angefertigt und in das Tablet integriert”, erläutert Ludovic Messinger von der Firma Numeri4D. “Während man sich im Theater fortbewegt, richtet sich das 3D-Model automatisch aus. So sieht man zum Beispiel, dass die Umfassungsmauern 10 bis 15 Meter hoch waren. Die gigantischen Ausmaße der Anlage lassen sich besser erfassen.”

Das Tablet als virtueller Reiseführer! Die Vergangenheit rückt in greifbare Nähe, dank Drohnen, erweiterter Realität und 3D.

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