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Burjatien: Vielfältig und naturbelassen

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Burjatien: Vielfältig und naturbelassen

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Im Südosten Sibiriens, an der mongolischen Grenze liegt Burjatien – eine der markantesten Republiken Russlands. Zahlreiche unterschiedliche Kulturen prägen das Land.

Früher besaß hier fast jede Familie Kamele. Im Laufe des 20. Jahrhunderts verschwanden die Höckertiere nach und nach. “Lange, lange bevor wir geboren wurden, hatten die Burjaten viele Kamele. Wir wollen diese Tradition wiederbeleben”, sagt Bair Mandanov. Die Rückkehr der Kamele ist nur ein Beleg für das Ansinnen der Burjaten, ihre Wurzeln nicht zu vergessen.

Der Baikalsee prägt das Bild der Republik, die rund 980.000 Einwohner hat. Rund ein Drittel der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Ulan-Ude. Hier geht es anders als in den ländlichen Regionen Burjatiens modern zu…

Die unberührte Natur ist das Markenzeichen der Republik. Vor allem der Baikalsee zieht zahlreiche Touristen an. Der Fremdenverkehr dient den Einheimischen als Einnahmequelle. Beeinflusst wurde die traditionelle Kultur der Burjaten aus unterschiedlichen Richtungen. Das Nomadentum, die Natur, die Nähe zur Mongolei – all das schlägt sich nieder. Wer Lammfleisch ins Feuer wirft, hofft auf Glück und Gesundheit – und in den Knochen wird die Zukunft gelesen. “Die Berge, die uns umgeben, sind heilig. Sie beschützen uns. Jeden Morgen beten wir zu ihnen und zu den Göttern, die auf den Gipfeln leben”, erklärt Dymbrin Borkhonova.

In den kalten Wintern bieten die heißen Quellen in Burjatien einen angenehmen Kontrast. Vladimir Borisenko: “Es tut gut, sich unter den heißen Wasserstrahl zu stellen, wenn es so kalt ist. Das ist eine angenehme Massage.” Das “Tal der 100 Quellen” ist zur Pilgerstätte geworden. Dem mineralhaltigen Wasser werden Heilkräfte zugesprochen. Manch einer versucht auf diese Weise, sein Augenleiden zu lindern.

Im Dorf Datsan leitet einer der Ältesten die spirituelle Feier. Die Götter sollen gnädig gestimmt werden. Auch hier sind die Einflüsse vielfältig. “Diese Rituale sind Mischformen. Sie bestehen aus Elementen des Schamanismus, der durch einen Schwur mit dem Buddhismus verbunden ist und so zum buddhistischen Pantheon gehört. Es ist also kein reiner schamanistischer Ritus”, sagt Sodnom Lama.

Burjatien ist aber auch die Heimat altorthodoxer Christen. Diese Gemeinschaft wandte sich im 17. Jahrhundert gegen eine Kirchenreform in Russland und zog das Exil in Sibirien der Verfolgung im Zarenreich vor. Die Altorthodoxen sind ihren Überzeugungen treu geblieben und betreiben Landwirtschaft in traditioneller Art und Weise. Einer Industrie im heutigen Sinne stehen sie kritisch gegenüber. “Das Land kann nicht ewig unberührt bleiben, aber wir müssen der Natur ebenso viel Respekt entgegenbringen wie uns selbst. Dann wird es gedeihen. Wenn wir das Land aber zerstören, treiben wir uns in den Ruin”, sagt ein Geistlicher.