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Lyoner Kinomarathon mit Belmondo und Tarantino

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Lyoner Kinomarathon mit Belmondo und Tarantino

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Die Zuschauer strömten herbei zum Auftakt des Lumière-Festivals im französischen Lyon. Das internationale Filmfest ohne Wettbewerb, dafür mir vielen Klassikern, ehrt in diesem Jahr Quentin Tarantino. Star des Eröffnungsabends war jedoch Leinwandlegende Jean-Paul Belmondo.

“Er ist ein Gott”, schwärmte Tarantino, “kaum zu glauben, dass ich ihn treffen werde, mein Herz schlägt vor Freude. ‘Le Doulos – Der Teufel mit der weißen Weste’ von Jean-Pierre Melville ist mein Lieblingsfilm.”

Jean-Paul Belmondo, oder Bébel, wie ihn die Franzosen nennen, wurde in Lyon von Freunden und Fans gefeiert. Zum Beispiel Claudia Cardinale: “Ich bin sehr glücklich, dass ich hier sein darf, für Jean-Paul natürlich. Wir haben drei Filme zusammen gedreht. Im ersten, ‘La Viaccia’ von Mauro Bolognini, waren wir blutjung und ich spielte eine Prostituierte.”

“Jean-Paul gilt meine ganze Ehre”, sagte Regisseur Claude Lelouch. “Ich habe drei Filme mit ihm gedreht, er war wirklich der Schauspieler, der in der Nachkriegszeit Jean Gabin ablöste”.

“Es gibt kein junges oder altes Kino, kein modernes und kein klassisches”, meinte Bertrand Tavernier. “Es gibt nur zwei Filmtypen: Gute Filme, die können modern, klassisch, jung oder alt sein. Und Filme, die um acht Uhr abends beginnen. Und wenn Sie um Mitternacht auf die Uhr schauen ist es gerade erst Viertel nach acht.”

Auf die Uhr schauen muss keiner in Lyon. Belmondo-Fans kommen auf ihre Kosten, zahlreiche Streifen werden im Verlauf der Festivalwoche gezeigt. Und noch vieles mehr. Das “Festival Lumière” ist ein Publikumsfestival, ein Streifzug durch die Kinogeschichte. Mit Filmen von Henri Verneuil und Ingmar Bergman, berühmten Streifen und solchen, die in Vergessenheit geraten sind, insgesamt über 130 Filme in Kinosälen in der ganzen Stadt.

Dass Quentin Tarantino bereits bei der Eröffnung zu Gast war, freute Festival-Leiter Thierry Frémaux ganz besonders.
“Tarantino hat uns, beziehungsweise dem Publikum damit eine große Überraschung bereitet. Ich wusste, dass er Belmondo unbedingt auch die Ehre erweisen wollte. Traditionell wird der Prix Lumière eher gen Ende des Festivals verliehen. Als ich ihm vor ein paar Monaten sagte, dass Jean-Paul zur Eröffnung kommen würde, meinte er sofort: Ich möchte auch dabei sein.”

Richtig eng wurde es auf der Bühne, als die geladenen Ehrengäste, rund 50 Schauspieler und Regisseure, das Festival mit einem gemeinsamen Schlachtruf eröffneten.

Nun heißt es ‘Film ab!’ für den Kinomarathon. Tarantinos gesammelte Werke stehen auf dem Programm, von “Reservoir Dogs” über “Pulp Fiction” und “Inglourious Basterds” bis zu Django Unchained”.
Den Prix Lumière erhielten vor Tarantino Milos Forman, Ken Loach, Gérard Depardieu und Clint Eastwood.