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Abschiebung 15-jähriger Schülerin in das Kosovo sorgt für Empörung in Frankreich

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Abschiebung 15-jähriger Schülerin in das Kosovo sorgt für Empörung in Frankreich

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Die Abschiebung einer Schülerin vor den Augen ihrer Klassenkameraden hat in Frankreich erneut heftige Diskussionen über den Umgang mit Roma ausgelöst. Selbst Politiker aus dem Regierungslager übten Kritik am Vorgehen der Behörden, die aus dem Kosovo stammende 15-Jährige Leonarda während eines Schulausflugs von der Polizei abholen ließen.

“Ich habe mich schlecht gefühlt und mich vor meinen Freunden geschämt”, sagt Leonarda, “denn sie fragten mich, ‘wen hast Du umgebracht, dass sie Dich suchen?’ und was da vor sich gehe. Ich fing an zu weinen.”

Nach Angaben des Innenministeriums wurde die Schülerin mit einem Handyanruf über die bevorstehende Abschiebung ihrer Familie informiert.

Innenminister Manuel Valls, der seit Monaten einen harten Kurs gegen illegal in Frankreich lebende Roma fährt, verteidigte das Vorgehen der Behörden. Wenn ein Asylantrag abgewiesen werde, so Valls, und es keinen Grund mehr für eine Person gebe länger auf französischem Boden zu verweilen, dann werde das Gesetz angewandt und das bedeute, man werde über die Grenze gebracht.

Kritik an Valls hagelte es in der Nationalversammlung auch von der eigenen Partei, den regierenden Sozialisten.

Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault gestand zu, dass die Abschiebung rückgängig gemacht werde, sollte ein Fehler begangen worden sein. Die Familie werde zurückkehren dürfen, damit die Lage geklärt werden könne.

Valls hatte erst vor wenigen Wochen eine tagelange Debatte ausgelöst, weil er Roma aus Bulgarien und Rumänien mangelnden Integrationswillen und “extrem andere Lebensweisen” unterstellte.