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Ein Seefahrt, die schafft Daten

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Ein Seefahrt, die schafft Daten

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Kreuzfahrtschiffe sind schwimmende Bettenburgen, die Touristen buchstäblich über die sieben Weltmeere schippern. Im Mittelmeer belasten ihre Hinterlassenschaften vielerorts die Umwelt. Und doch leistet eines dieser Schiffe seit einigen Jahren einen entscheidenden Beitrag zur Erforschung der Luftverschmutzung, weiß der Chemiker Jens Hjorth von der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission. “Die Luft über dem Mittelmeer ist ziemlich belastet. Allerdings fehlen uns verlässliche Daten dazu, wir wissen einfach nicht genug und brauchen mehr Informationen”, so Hjorth. “Dieses Schiff ist dafür ein gutes Vehikel, weil es kreuzt und so ein großes Feld abdecken kann. Das gilt vor allem für die Küsten, dort ist die Luft besonders verschmutzt.”

Normalerweise schicken Wissenschaftler eigene Forschungsboote aus. Aber das ist teuer. Die europäischen Forscher aus dem Zentrum in Ispra haben die nötigen Instrumente deshalb auf einem kommerziellen Kreuzfahrtschifft installiert. Jens Hjorth leitet das Projekt. “Das Schiff legt ab in Savona, dann geht es über Barcelona, Palma de Mallorca und Neapel wieder zurück zum Ausgangshafen. Und das jede Woche”, so Hjorth. Seit 2006 hat er so auf dieser Route Daten sammeln lassen und kann damit nachvollziehen, wie sich die Situation von Jahr zu Jahr entwickelt hat.

Dicke Luft über dem Mittelmeer – dafür gibt es mehrere Ursachen. Neben den Abgasen großer Küstenstädte und dem Verkehr an Land trägt natürlich auch der kommerzielle Schiffsverkehr dazu bei.

Ab und zu geht auch Jens Hjorth an Bord, um nach dem Rechten zu sehen. “Die Luft wird durch zwei Röhren eingeleitet, eine für die Gasmessungen, die andere für die der Partikel in der Luft. Die eigentliche Messung passiert aber in einer Kabine”, so Hjorth. Er und seine Kollegen wollen wissen, wieviel Schwefeldioxid und wieviel Stickstoff in der Luft steckt. Außerdem können sie den Gehalt an Kohlenmonoxid und Ozon nachweisen.

Um vergleichen zu können, entnimmt der Messapparat Proben auf hoher See und an der Küste. Über eine satellitengestützt Internetverbindung gehen die Informationen direkt an die Gemeinsame Forschungsstelle in Ispra. Dort sitzt Hjorths Kollege Pedro Miguel Rocha e Abreu. Er empfängt die Daten und wertet sie aus. “Der große Vorteil ist, dass wir nicht ständig auf dem Schiff anwesend sein müssen”, so Rocha e Abreu.

Vor ein paar Jahren begann die Europäische Kommission mit einer schrittweisen Senkung des zulässigen Schwefelgehalts in Schiffstreibstoffen. Anhand gesammelter Daten können die Forscher nun sehen, das sich dieser Vorstoß tatsächlich gelohnt hat. “Nehmen Sie Hafenstädte wie Savona oder Barcelona. Dort zeigt die Neuregulierung deutliche Auswirkungen. Der Schwefeldioxidgehalt in der Hafenluft ist um 66 Prozent gesunken”, weiß Hjorth. Im Hafen von Tunis, außerhalb der Reichweite Brüssels, ist diese Besserung nicht eingetreten. Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön! Und in seltenen Fällen trägt sie sogar etwas zum Umweltschutz bei.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:
http://ccaqu.jrc.ec.europa.eu/costa.php