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Datenschutz in der EU: ist privat denn noch privat?

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Datenschutz in der EU: ist privat denn noch privat?

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Unsere heutige Frage hat Tom über Twitter geschickt: “Glauben Sie, dass unsere Privatssphäre und unsere Grundrechte als EU-Bürger durch die Massenüberwachung der USA und anderer bedroht sind?”

Jérémie Zimmermann ist Sprecher und Mitbegründer von La Quadrature du Net, eines Vereins zum Schutz persönlicher Daten im Internet. Er antwortet auf Toms Frage:

“Beim Schutz unserer Privatssphäre spielen die Politik und die uns als Bürger schützende Gesetzgebung eine Rolle. Aber das ist nicht alles. Wir müssen auch unser Verhältnis zur modernen Technologie in Frage stellen.
Wer verfügt über unsere Daten, wer hat physischen Zugang zu unserer privaten Kommunikation? Das ist eine grundlegende Frage unserer Freiheit. Vom Recht auf Schutz unserer Privatssphäre hängen weitere Rechte ab. Wenn Sie beispielsweise wissen, dass Sie überwacht werden, dann werden Sie sich anders verhalten und sich nicht frei äußern, etwa über ihren Chef, ihre Regierung, Sie werden sich selbst zensieren.
Seit den PRISM-Enthüllungen ist klar: Google, Facebook, Apple, Microsoft, alles gleich, nämlich eine bequeme Datenquelle für die US-Sicherheitsdienste, ein Zugang zu unseren persönlichen Daten und zum Inhalt unserer Kommunikation. Das sollte uns zu denken geben, auch was die Bauweise unseres Kommunikationssystems angeht. Wem oder was vertrauen wir? Und was wird aus meinen Daten in 5, 10, 20 Jahren. Wer könnte diese Informationen in Zukunft vielleicht gegen Sie einsetzen?”
Diese Fragen werden im Moment im Europäischen Parlament diskutiert. Das Parlament will den Schutz persönlicher Daten neue regeln. Eine einzigartige Gelegenheit für die Bürger, über ihre Abgeordneten Einfluss zu nehmen, und so das Steuer wieder selbst zu übernehmen, sich gegen die großen amerikanischen Web-Konzerne zur Wehr zu setzen.”

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