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Ein Dackel, ein Löwe, viele Verrückte – Büchnerpreis für Lewitscharoff

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Ein Dackel, ein Löwe, viele Verrückte – Büchnerpreis für Lewitscharoff

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Den Büchner-Preis 2013 hat die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung im Staatstheater Darmstadt der Autorin Sybille Lewitscharoff verliehen. In der Laudatio konzentrierte sich die Autorin und Freundin seit 20 Jahren Ursula März vor allem auf den Dackel und den Löwen in Lewitscharoffs Werken. Der Dackel kommt gleich in mehreren Romanen der Büchnerpreisträgerin als harmoniestiftendes Familientier vor, das “schwäbische Giftspritzen” beruhigt. Die Beschreibung des Löwen “Habhaft, fellhaft, gelb” in Lewitscharoffs Roman “Blumenberg” ist wohl eines der bekanntesten Zitate Lewirtscharoffs. Ursula März lobte die Freundin nicht nur als zuverlässige Gegenleserin, sondern auch als scharfzüngige Kritikerin, mit der sie aber nicht immer einer Meinung ist – zum Beispiel wenn Sibylle Lewitscharoff in Vorlesungen die Fernsehserie TATORT verurteilt, die der Laudatorin die Sonntagabende bereichert. Auch verglich März die Freundin mit der französichen Schriftstellerin Marguerite Yourcenar.

In ihrer Dankesrede in Darmstadt gab die Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff zu, dass sie mit den Theaterstücken des Namenstifters des wichtigsten deutschsprachigen Literaturpreises Georg Büchner kaum etwas anfangen kann. Das führt sie aber auch auf die schlechten Inszenierungen der Stücke zurück, die sie sich ansehen musste. Lewitscharoff ging denn auch nur auf den Titelhelden in Büchners Erzählung Lenz ein. Dem gestörten Lenz stellte sie den verrückten Pong aus ihrem eigenen Werk, aber vor allem einen Mann, der in einem Dokumentarfilm über eine psychiatrische Klinik akribisch einen Tisch abwischt, gegenüber. Und sie sprach lange über den Bauzeichner und ART-BRUT-Künstler Achilles Rizzoli , der bis 1982 in den USA lebte und seine Mutter mit Buntstiften in Form einer Kathedrale darstellte.
Wahre geistige Wirrniss sieht Sibylle Lewitscharoff heute aber an der Börse und bei der Jugend, die zuviel Zeit vor dem Computer verbringt.

Die 1954 in Stuttgart geborene Sybille Lewitscharoff wurde 1998 als Schriftstellerin bekannt, als sie für “Pong”, einer Erzählung über einen psychisch Kranken, den Bachmann-Preis bekam. Zusammen mit dem Grafiker Friedrich Meckseper hat Sibylle Lewitscharoff die Erzählung jetzt zu einem Roman und Gesamtkunstwerk Pong Redivivus ausgebaut.
Auch die Autorin selbst ist Zeichnerin und stellt Scherenschnitte her.
Den vergangenen Sommer verbrachte Sibylle Lewitscharoff in der Villa Massimo Villa Massimo in Rom. Sie arbeitet zur Zeit an einem Romanprojekt zu Dante. Schon zuvor hatte die Autorin berühmte Männer zu Titelfiguren gemacht: Ihr Roman “Blumenberg” handelt von dem Philosophen Hans Blumenberg, in dessen Arbeitszimmer aus unerklärlichen Gründen der bereits oben erwähnte Löwe liegt.: “Habhaft, fellhaft, gelb.”