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Die Jazz-Welt ist in Baku zu Gast

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Die Jazz-Welt ist in Baku zu Gast

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Herbstzeit ist Jazz-Zeit in Baku, dann hüllt das Internationale Jazz Festival die Hauptstadt Aserbaidschans in eine ganz besondere Klangkulisse.
Organisiert wird das Festival vom Ministerium für Kultur und Tourismus, Eröffnungs-Akt war dieses Jahr der amerikanische Saxophonist Joshua Redman mit seinem Quartett.

Der Kalifornier spielte schon als Kind in der Schul-Jazzband. Er schloss ein Studium an der Harvard Universität ab, doch nachdem er 1991 den renommierten Thelenios-Monk-Saxophon-Wettbewerb gewann, beschloss er, sich ganz auf die Musik zu konzentrieren.

“Mir ist es nie gelungen, wie jemand anders zu klingen”, so Joshua Redman. “Die eigene Stimme und der eigene Klang sind etwas ganz Natürliches. Das hat viel mit Einstellung zu tun:Wenn du auf die Bühne gehst um zu spielen, spielst du nicht, was du gelernt hast. Du spielst nicht, was du geprobt hast. Du spielst einfach nur, was du in diesem Moment fühlst. Wenn du spielst, was du fühlst, spielst du es mit deiner eigenen Stimme.”

Überraschung im Publikum: Frankreichs Kinostar Gerard Depardieu liess sich den Auftritt von Joshua Redman im Internationalen Mugham Center nicht entgehen. Doch was hat den Schauspieler, der die russische Staastbürgerschaft angenommen hat, um sich vor der Reichen-Steuer zu drücken, nach Baku verschlagen?
“Aserbaidschan ist eine Stadt, die ich sehr mag”, so Depardieu, “weil ich hier zahlreiche Freunde hab, darunter auch Musiker. Und der Jazz in Baku ist sehr wichtig.”

Eine interessante Mischung bringt die Jangi Jazz Band rund um den renommierten Saz-Spieler Mirjavad Jafarov auf die Bühne. Sie mischt Klassik wie Mozart oder Chopin mit Mugham, traditioneller aserbaidschanischer Musik. Mirjavad Jafarov gilt als Virtuose an den traditionellen Saiteninstrumenten Saz und Oud, sein Sohn spielt die Langhalslaute Tar.

Mirjavad Jafarov erzählt: “Auf die idee, diese Art Musik zu machen kam ich, als ich merkte, dass sowohl Jazz wie auch Mugham viel mit Improvisation zu tun haben. Wenn mein Sohn auf seiner Tar klassische Musik spielt, klingt das für mich wie Jazz.”

Auch für junge Talente ist Platz auf dem Jazz Festival in Baku: Pianist Elbey Mammadzade ist erst 21 Jahre alt und studiert noch an der Musikakademie in Baku.

Der bereits mehrfach ausgezeichnete Jazz-Musiker Kenny Garret rührte in Baku die Werbetrommel für sein neues Album “Pushing the World Away”. Zu Beginn seiner Karriere musizierte er mit Legenden wie Duke Ellington und Miles Davis – zu einer Zeit, als fast jeder Jazz-Musik hörte.

Kenny Garrett: “Alles ist in Bewegung, alles verändert sich, und die Musiker verändern sich mit der Zeit. Personen wie Duke Ellington, Thelonious Monk, John Coltrane und Miles Davis – sie haben diese grandiose Musik damals kreiert. Heute müssen sich Musiker entscheiden, welcher Richting sie sich anschliessen möchten. Jazzmusiker versuchen, Menschen zu erreichen. Aber wir stellen doch fest, dass die Musik eine kleine Gruppe Menschen anspricht, die sie versteht, und die mit uns auf die Reise geht.”

Unser euronews-Reporter vor Ort sagt:“Das Baku Jazz Festival ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, Jazz Talente des Landes zu entdecken und internationale Stars zu hören. Doch könnte das Festival mehr sein als nur eine Reihe guter Konzerte: Ein musikalischer Event der die ganze Stadt mit dem Jazzfieber ansteckt, so wie man das eben zum Beispiel aus Montreux und Montreal kennt. Wolfgang Spindler aus Baku für Euronews.”

Mehr informationen im Netz unter: www.joshuaredman.com
www.gregoryhutchinson.com
www.reubenrogers.com
www.kennygarrett.com/
http://jazzcenter.jazz.az