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Sotschi - Auf zur Winterolympiade unter Palmen

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Sotschi - Auf zur Winterolympiade unter Palmen

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Noch 100 Tage bis zu wahrhaft historischen Olymischen Spielen: Erstmals wird es in Sotschi Wintersport unter Palmen geben, in einer subtropischen Region am warmen Schwarzen Meer. 6000 Sportler aus 80 Ländern werden in 98 Disziplinen antreten – ein weiterer Rekord. Das Prestigeobjekt von Präsident Putin wird mit mehr als 37 Milliarden Euro auch als teuerste Spiele aller Zeiten in die Geschichte eingehen
Hundert Tage vor Eröffnung der Spiele pflegt sich das Internationale Olympische Komitee vor Ort zu informieren – und dabei gute Stimmung zu verbreiten. Ernsthafte Kritik hat man bei so einer Gelegenheit noch nie gehört. Der Franzose Jean Claude Killy, Ski-Olympiasieger 1968, äußerte sich rundum beeindruckt. Hotels, Infrastruktur, Zugverbindung, alles fertig. Es seien nur noch Details zu regeln. Das IOC sage schon seit 4 Monaten, dass Sotschi nirgendwo hinter dem Plan zurückliege.
Würde jemand die Arbeiter fragen, kämen wohl andere Antworten. Über schlechte Arbeitsbedingungen wird geklagt, über menschenunwürdige Zustände in den Wohnbaracken der Arbeiter. Beim Besuch des gerade neu gewählten IOC-Präsidenten Thomas Bach hatte sich ein Arbeiter den Mund zugenäht, um auf drastische Weise gegen Ausbeutung und Rechtlosigkeit zu protestieren. Dass das Arbeitsministerium in Moskau 100 Tage vor der Eröffnung noch einmal mehrere Tausend Arbeitslose auf diese Baustellen schicken will, spricht auch nicht gerade für Plantreue. Menschenrechtsorganisationen nennen es “Sklavenarbeit”, wie hier vor allem Arbeiter aus den ehemaligen Sowjetrepubliken gleich um die Ecke ausgebeutet werden. Wer protestiert wird ausgewiesen. Wenn die Welt zu glanzvollen Spielen zu Gast kommt, sollen keine Armutsgestalten das schöne Bild trüben. Semjon Simonow von der Menschenrechtsgruppe “Memorial” klärt die Männer auf, wie sie sich gegen die illegale Machenschaften ihrer Arbeitgeber wehren können. Denn viele von ihnen werden systematisch um ihren Lohn geprellt. Dabei gehörte die Humanität doch zu den Gründungsidealen der olympischen Spiele, betont der Menschenrechtler.
Statt dessen setzt der russische Staat hier am Fuße des Kaukasus auf seine bekannten Methoden, um “Sicherheit und Ordnung” zu schaffen. 37.000 Polizisten und eine nicht genannte Zahl von Armeeeinheiten stehen Gewehr bei Fuß. Das vorerst jüngste Attentat ist gerade mal eine Woche her. 6 Menschen starben, als in Wolgograd ein Bus explodierte. Keine schöne Werbung für “heitere Spiele”.
Da zeigen die russischen Medien lieber, wie fleißige junge Leute den Müll einsammeln, um Sotschi olympiafein zu machen. Wie viel Umwelt für dieses gigantische Projekt in einer unerschlossenen Region zerstört wurde, wird nicht bekannt gegeben. Ebensowenig wie Ideen, was nach den Spielen aus den vielen neuen Anlagen werden soll. Geplante Nachhaltigkeit sieht anders aus.