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Unschätzbarer Wert: 700.000 chinesische Kunstobjekte auf Taiwan

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Unschätzbarer Wert: 700.000 chinesische Kunstobjekte auf Taiwan

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Es ist eine der grössten Sammlungen chinesischer Kunst – und sie befindet sich ausgerechnet auf Taiwan.

Die Insel, die von China beansprucht wird, und deren Status bis heute ungeklärt ist, beherbergt im Nationalen Palastmuseum rund 700.000 Objekte, von denen die meisten einst zur kaiserlichen Kunstsammlung gehörten.

“Für die Taiwanesen ist das Museum ein Symbol ihrer de facto Unabhängigkeit vom Reich der Mitte”, sagt unsere Reporterin Margherita Sforza. “Für die Chinesen vom Festland handelt es sich hier jedoch um Raubkunst. Denn als er vor Mao Tse Tung floh, hatte General Chan Kai Shek 1948 auch gleichzeitig 3.000 Meisterwerke chinesischer Kunst auf die Insel mitgenommen.”

Die Beziehungen zwischen China und Taiwan haben sich in letzter Zeit entspannt und mittlerweile kommen Touristen vom Festland in Scharen.

Davor allerdings diente das Museum der Führung in Tapei als starkes Symbol zur Abgrenzung gegenüber Peking.

“Ab dem 12.Jahrhundert, ab der südlichen Song-Dynastie, scheint es so, dass diese Sammlung immer weitergegeben wurde – von der alten Regierung zur Neuen. Es ist so, als sei ihr Besitz gleichzeitig auch ein Symbol für die Legitimität zur Macht”, erklärt Museumssprecherin Emma Chen.

Der Jadekohl – für europäische Augen banal anmutend, im Nationalen Palastmuseum von Taiwan jedoch eines der Highlights.

Das Geschenk für die Frau des Kaisers zu Ende des 19.Jahrhunderts galt einst als Ausdruck von Reinheit.

Emma Chen dazu: “Jade ist das reinste Material der Welt. Wie verwenden es, um mit den Göttern zu kommunizieren. Auch im Konfuzianismus vergleicht man die Schönheit der Jade mit den Tugenden eines Ehrenmannes.”

25.000 Keramikobjekte sind hier zu finden – viele von ihnen absolute Raritäten.

Zurück gehen sie teilweise bis auf das 11.Jahrhundert und sie lassen teilhaben an den Wertvorstellungen der damaligen Zeit.

“Die Herrscher aus dieser Epoche glaubten, dass Einfachkeit der grösste Luxus ist. So ist die schönste Farbe einfach die des Himmels, ein einfaches, starkes Blau. Im 11.Jahrhundert galt dies schon, und bis heute gibt uns diese Farbe ein Gefühl von Ruhe und Gelassenheit”, erklärt Emma Chen.

Und manche Objekte aus der Kunstsammlung von unschätzbarem Wert gehen sogar bis ins 5.Jahrhundert zurück wie eine Buddha-Statue – das Geschenk eines Filmschauspielers an das Museum.

Vier Millionen Besucher strömen jährlich ins Nationale Palastmuseum – sie kommen nicht nur aus Asien.