Eilmeldung

Eilmeldung

Frischer Wind im New Yorker Rathaus

Sie lesen gerade:

Frischer Wind im New Yorker Rathaus

Schriftgrösse Aa Aa

Klarer kann ein Wahlsieg kaum ausfallen. Die New Yorker haben sich für den Demokraten Bill de Blasio entschieden. Der 52jährige, der einst als Wahlkampfmanager einen guten Anteil an Hillary Clintons Einzug in den Senat hatte, wird künftig Amerikas vielschichtigste Metropole regieren.
Schon sein eigenes Privatleben gibt Hinweise auf die künftige Richtung. Die Vorfahren Italo-Amerikaner, die Ehefrau Afro-Amerikanerin, das passt ins multi-ethnische New York mit seinen entsprechenden Problemen. Klar auch seine Botschaft: Schluß mit dem Bloomberg-Stil. New York braucht echte Veränderungen, die den vor allem durch die Krise veränderten Lebensbedingungen seiner Bürger entsprechen.
Michael Bloomberg hat die Riesenstadt sicherer und grüner gemacht. Die Kriminalität ging spürbar zurück, der Tourismus boomt. Dieser Erfolg wird dem scheidenden Bürgermeister bleiben. Nur geht es inzwischen mehr um soziale Probleme, die Schere zwischen arm und reich klafft einfach zu weit auseinander. Unter den 8,3 Millionen Einwohnern sind gut 400.000 Millionäre – aber auch eine Million 700.000 Arme. Und da will Bill de Blasio ansetzen.
Für Leute mit einem Jahreseinkommen von umgerechnet mehr als 375.000 Euro will er die Steuern erhöhen, um z.B. allen Vierjährigen einen Kindergartenplatz garantieren zu können. Bessere Bildungeschancen will er schaffen, auch durch Abendschulen, damit die New Yorker den neuen Jobanforderungen genügen können. Und 200.000 Sozialwohnungen hat er im Programm, dringend nötig angesichts der massenhaft abgestürzten ehemaligen Mittelklassebürger. Und er will den Polizeichef auswechseln, denn der Bloomberg-Mann hat mit den vielen Kontrollen ohne richtigen Verdacht vor allem bei Nicht-Weißen bewirkt, dass die sich diskriminiert fühlen. Gleichheit aller Bürger unabhängig von Hautfarbe, Religion und Herkunft ist bei dieser Mischung eine sehr sensible Sache. New Yorks Einwohner sind zu 12% asiatischer Herkunft, 25% Afro-Amerikaner, für 28 % ist die Muttersprache Spanisch und nur 33 % gehören zur Schicht der WASP, der “White-Anglo-Saxon-Protestants”, also weiße Protestanten angelsächsischer Herkunft.
Bei seiner Geburt trug Bill de Blasio nach seinem Vater den namen Warren Wilhelm. Weil er bei seiner italienischen Mutter Maria de Blasio aufwuchs, entschied er sich für ihren Namen. Studiert hat der neue Bürgermeister von New York internationale Beziehungen mit Spezialgebiet Lateinamerika – auch das kommt ihm samt der Spanischkenntnisse in seiner Stadt mit den vielen Kulturen zugute. Und weil die Familie seit 22 Jahren in Brooklyn wohnt, kennt er viele Probleme aus der Nachbarschaft – anders als sein schwerreicher Vorgänger.