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Verlorene Heimat - kurdische Kinder auf der Flucht

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Verlorene Heimat - kurdische Kinder auf der Flucht

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“Dieses Mädchen ist traurig. Sie hat alles verloren”, sagt Rojda und beugt sich über das mit Wachsstiften gemalte Bild. “Ich bin weg aus Damaskus, meine Eltern und die Familie sind dort geblieben”, erzählt sie weiter. “Das hat mich sehr traurig gemacht. Ich wusste nicht, warum sie mich nicht geholt haben. Sie hatten bestimmt einen guten Grund”, meint sie.
Domiz, das größte Camp für syrische Flüchtlinge im irakischen Teil von Kurdistan. 60.000 Menschen leben hier. Die Hälfte von Ihnen sind Kinder. Die Kleine Rojda und ihre Altersgenossen tragen seelische Narben eines Krieges, der ihr Leben von grundauf verändert hat. Verzweifelt klammern sie sich an alles, was ein Stück Normalität zu versprechen scheint.
Am Ende ist sie doch mit ihrer Familie zusammen ind das Camp gekommen. Sieben Monaten ist das her. Krieg, Gewalt und tiefe Armut haben sie über die Grenze getrieben. Freiwillig hätten sie Syrien, ihre Heimat, ihren vertrauten Alltag nicht verlassen.

Rojda hat mehr als ein Jahr Unterricht verpasst. Die drei Schulen hier im Flüchtlingscamp sind hoffnungslos überfüllt. Beschäftigung findet sie im Kinderhort der französischen Nichtregierungsorganisation ACTED. “Wir haben unterschiedliche Strategien, mit traumatisierten Kindern umzugehen. Vor allem konzentrieren wir uns aber auf die positiven Erlebnisse und Eigenschaften, die das Kind mitbringt”, sagt Ibrahim Khalil, Mitarbeiter der NRO. Nur so könne man den Kindern eine Perspektive bieten.
Rojda und den anderen soll eine Traumatherapie helfen, die Folgen von Flucht und Vertreibung zu verarbeiten. Jeden Tag kommen sie dafür in den Hort. Die EU finanziert diese Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Geldern des Friedensnobelpreises. Diese “Child Friendly Spaces” wurden für 250 Kinder geschaffen – doch mehr als eintausend Flüchtlinge kommen jede Woche hierher. Ein Spiegel der bedrückenden Verhältnisse im Camp. Eine kindgerechte Entwicklung ist kaum möglich. “Wenn Kinder zu lange in diesen Lagern bleiben, wird eine normales Erwachsenwerden quasi unmöglich”, weiß ACTED-Betreuer Ibrahim Khalil.

Viele weitere tausend Kinder brechen jeden Tag mit ihren Familien auf, das kriegsgeschüttelte Syrien zu verlassen. Für ihre Sicherheit werden sie einen hohen Preis zahlen: das beruhigende Gefühl, zu hause zu sein.