Eilmeldung

Eilmeldung

Cartoon Forum 2013: Pinguine, Möpse und multimediale Vielfalt

Sie lesen gerade:

Cartoon Forum 2013: Pinguine, Möpse und multimediale Vielfalt

Schriftgrösse Aa Aa

Wer eine Animationsserie auf die europäischen Mattscheiben bringen will, braucht ein Netzwerk und finanzielle Partner. All das und noch viel mehr bietet das Branchentreffen für Fernseh-Animationsprojekte Cartoon Forum, das dies Jahr im südfranzösischen Toulouse stattfand. Seit 1990 hat Cartoon Forum rund 500 Animationsserien unter die Arme gegriffen.

“Jedes Jahr werden rund einhundert Projekte eingereicht, aus denen wir geeignete Bewerber herauspicken, je nachdem wie weit sie ausgereift sind und ob wirtschaftliches Potenzial haben”, erklärt Forums-Direktor Marc Vandeweyer.

Beim Cartoon Forum geht es um Geschäfte.
Vor gut 850 versammelten Branchenvertretern und potenziellen Einkäufern gilt die Devise: überzeugen – und verführen. Für alle, die es noch nicht wissen, wie’s funktioniert, gibt euronews-Reporter Wolfgang Spindler eine kurze Zusammenfassung:

“Morgens und Mittags werden die Trailer der verschiedenen Projekte gezeigt, die dann anschließend in den Präsentationsräumen vorgestellt werden.
Und hier wird das Projekt dann genauer vorgestellt. Was sucht man, welches Publikum soll angesprochen werden, Storyboard , die Charaktere, Grafikdesign, Budget, was fehlt noch, was erwarten die Produzenten von den zukünftigen Co-Produzenten?
Und nach den Präsentationen hat man dann in der Extra-Time-Ecke Zeit, um mit den Produzenten Visitenkarten auszutauschen und Geschäftskontakte zu knüpfen.”

Eine Animationsserie, die bei der diesjährigen Ausgabe von Cartoon Forum ins Auge stach, war “Three Little Ninjas Delivery Service”, ein niederländisch-belgisches Gemeinschaftsprojekt. Der Stil erinnert an den des beliebten Videospiels “Angry Birds”.

Was erhoffen sich die Macher von Cartoon Forum?

Karim Rhellam, Regisseur: “Wir suchen immer noch nach Mitteln, um das Budget zu finanzieren, wir suchen außerdem Co-Produzenten, Vertriebspartner sowie Sender, die sich für die Story und das Projekt interessieren. Wir suchen derzeit eigentlich alles.”

Ziemlich originell ist das Projekt “Meet the Pugs” von deutschen Animationsfilmern, die sich in Barcelona angesiedelt haben. Möpse sind die Stars der Serie, verkleidet als bekannte Persönlichkeiten wie Terminator oder Ziggy Stardust.

Markus Müller, Produzent: “Als wir anfingen, die ersten Charaktere zu zeichnen, war das Lustigste, Versionen von den eigenen Freunden zu zeichnen.
Wir sind wir dann viel später darauf gekommen, dass es das Cartoon Forum gibt, und dass wir vielleicht eine animierte Serie daraus machen könnten.”

Das französisch-kanadische Projekt “Urbance” setzt auf verschiedene Plattformen, nicht nur Fernsehen, sondern auch Internet, Tablets und Videospiel.
Die Macher verstehen ihre düstere Großstadt-Story als eine multimediale Marke, arbeiten mit Designern, Choreografen und Musikern, um für ihr Projekt zu werben.

Und – wie war das Feedback nach der Vorstellung?

Denis Friedman, Produzent: “Um ganz ehrlich zu sein: Ich bin superhappy!”

Joel Dos Reis Viegas, Co-Produzent und Regisseur: “Ab einem bestimmten Punkt kann man den Rahmen des Animationsfilms verlassen, damit noch mehr daraus wird, damit eine Marke entsteht, eine eigene Welt. Ich hoffe, dass diese Welt weiter wächst und bei allen gut ankommt.”

Viele Projekte konnten bei der diesjährigen Ausgabe von Cartoon Forum Finanzierungs- und Vertriebsmöglichkeiten finden, wie “Puffin Rock”. Hinter der Oscar-nominierten Serie stehen das irische Animationsstudio Cartoon Saloon und die britische Medienfirma Dog Ears. Nicht nur Senderechte wurden verkauft. Der britische Verleger Penguin will die Serie als Kinderbuch herausbringen.

Den größten Andrang in der Geschichte von Cartoon Forum gab es bei der Vorstellung des französischen Projekts “The Science of Botheration”.

Wie war der Jahrgang 2013? Frank Dietz, stellvertretender Programmdirektor bei Super RTL zieht Bilanz. “Was ich finde, ist, dass es viele tolle Projekte gibt, auch für alle Zielgruppen, von den Pre-Schoolern bis hin zu den 11-Jährigen. Auch das Thema Primetime, also Animation für Erwachsene, ist sehr gut vertreten. Ich finde, die Auswahl dieses Jahr ist wirklich beachtlich.”