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Hungerstreik im Flüchtlingslager Lampedusa

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Hungerstreik im Flüchtlingslager Lampedusa

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Flüchtlinge auf Lampedusa sind in den Hungerstreik getreten. Wer die Flucht übers Mittelmeer überlebt kommt in ein Lager, das nur für allererste Hilfe ausgelegt ist – und dabei hoffnungslos überfüllt.
Die Flüchtlinge bekommen ein Telefonkarte für 15 Euro – haben aber keinen Fernseher, um sich über die Lage daheim zu informieren. Sie wollen weiter, am liebsten nach Skandinavien. Dafür sind sie in den Hungerstreik getreten. Ein aus Syrien geflohene Palästinenser will sein Gesicht nicht zeigen, denn er hat Familienangehörige zurückgelassen – und euronews wird auch in einer arabischen Version ausgestrahlt, die gerade in Syrien viele Zuschauer hat. Seine Worte: “Hunger strike, just some water, some things to live”. Sein Freund erklärt, sie suchen eine gute Zukunft, wollen in ein Krankenhaus – oder sterben. Notfalls lieber zurück in ein arabisches Land, weil sie sich von der EU betrogen fühlen. Deren Worte über Hilfe für Syrien seien Lügen. Die Verantwortlichen müssen zu ihren Worten stehen.
Ein anderes Problem liegt in der unterschiedlichen Herkunft. Die andere große Gruppe besteht aus Erithreern. Beide Gruppen verstehen sich überhaupt nicht. Das Lager ist für 204 Männer und 50 Frauen ausgelegt – es müssen sich aber mehr 600 Menschen hier zusammendrängen. Ein anderer Palästinenser aus Syrien betont ihr Recht auf Streik. Er sagt: “Es gibt Menschen, die seit dem 14. Oktober hier sind. Jetzt wollen sie weg. Andere sind erst vor Kurzem gekommen und haben das Lager bereits wieder verlassen. Das ist ungerecht. Jeder muss warten, bis er dran ist. Man kann die Situation hier nicht länger als drei oder vier Tage ertragen.”
Das weiß der Direktor Antonio Miragliotta nur zu gut.
Aber er kann mit 65 Helfern nur das Elend verwalten.
Er kann den Flüchtlingen nicht einmal Waschmaschinen bieten. Seine Lage beschreibt er so: “Wir haben Psychologen und Sozialhelfer, einige Helfer für kulturelle Dinge. Diese Leute versuchen auch die Spannungen zu entschärfen, die immer wieder aufbrechen. Die Flüchtlinge erwarten vor allen, dass sie so schnell wie möglich weiter können.”
Nothilfe für die ersten 3 Tage sollte das hier sein.
Inzwischen müssen die meisten Flüchtlinge 20 Tage und länger bleiben. In Ungewißheit, ohne Beschäftigung, ohne eine Information, was ihnen die Zukunft im gelobten Europa bringen könnte – falls sie hier überhaupt geduldet werden.