Eilmeldung

Eilmeldung

"Sophiatown" feiert den Tanz der Townships

Sie lesen gerade:

"Sophiatown" feiert den Tanz der Townships

Schriftgrösse Aa Aa

“Sophiatown”, das neue Stück der südafrikanischen Via Katlehong Dance Company, ist eine Hommage an den gleichnamigen Johannesburger Stadtteil, der in den 50er Jahren bekannt wurde für sein reiches Kulturleben. Ein Symbol für friedliches Zusammensein, das der Apartheid zum Opfer fiel und abgerissen wurde. Im französischen Lyon feierte das Tanzmusical Weltpremiere.

“Es war einer dieser Stadteile, die 1955 in Südafrika zerstört wurden, in denen die Menschen vorher friedlich zusammenlebten, ganz gleich welcher Herkunft”, sagt der Choreograf und Tänzer Vusi Mdovi. “Für uns ist das ein Modell, das wir uns vor Augen führen sollten, auch wenn im heutigen Südafrika Demokratie herrscht, es ist eine Bereicherung des Lebens.”

Das preisgekrönte Tanzensemble wurde 1992 in Katlehong gegründet, um Jugendlichen in dem berüchtigten Township eine Alternative zu bieten. Heute verfügt die Kompanie über eine eigene Tanzschule und genießt internationale Anerkennung. Das neue Stück entstand in Auftrag des Lyoner Tanztheaters “Maison de la Dance” als Beitrag zur aktuellen südafrikanischen Kultursaison in Frankreich.

“Das Besondere an der südafrikanischen Tanzkultur ist die starke Präsenz urbaner Tanzformen in den Townships”, meint die Theaterleiterin Dominique Hervieu. “Sie haben einen ganz eigenen zeitgenössischen urbanen Stil. Es sind Tänze mit starker sozialer Bedeutung, die eine gesellschaftliche Mission haben, denn sie helfen dabei, gegen Kriminalität, Gewalt und Drogen zu kämpfen. Via Katlehong gehört zu den Gruppen, die in den Townships arbeiten und versuchen, Menschen durch Kunst weiterzuhelfen, das finde ich sehr beeindruckend.”

Das neue Tanzmusical vereint viele verschiedene Stile, von Hip-Hop über Tap bis zum Gumboot Dance, der Gummistiefeltanz der schwarzen Minenarbeiter.

Gut 20 Jahre sind vergangen seit dem offiziellen Ende der Apartheid in Südafrika. Sind die Wunden der Vergangenheit noch zu spüren?

Vusi Mdovi: “Wir spüren sie, auch wenn unsere Eltern uns sagen, dass es heute besser ist. Aber wir glauben auch, dass Südafrika noch jung ist und dass noch große Dinge kommen werden.”

“Heute haben wir die Chance, Neues zu erschaffen, wir zeigen den Tanz der Townships, nicht nur den zeitgenössischen, sondern auch den traditionellen. Das wäre während der Apartheid nicht möglich gewesen”, meint die Tänzerin Mbali Nkosi.

Nach der Weltpremiere in Lyon werden Via Katlehong Dance mit ihrem neuen Spektakel auf Tournee gehen.

Beim französischen, zum Teil sehr jungen Publikum kam das Stück gut an.

“Da ist viel los auf der Bühne, man möchte am Liebsten mittanzen”, schwärmt ein junges Mädchen. Ein anderes fühlt sich an all die Dinge, erinnert, die in Afrika geschehen sind. Eine Frau meint, es sei ist eine wunderbare Lebenslektion. Und eine ältere Dame erklärt mit einem großen Lächeln, sie habe so viel getanzt, jetzt habe sie Knieschmerzen.