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Mittendrin steht der unsichtbare Mann

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Mittendrin steht der unsichtbare Mann

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Auf den ersten Blick ist er nicht erkennbar, aber dennoch steht er da, vor einem Zeitschriftenregal in Caracas. Liu Bolin, der unsichtbare Mann. Der chinesische Künstler lässt sich selbst verschwinden, in dem er sich von Kopf bis Fuß bemalt, dem Hintergrund entsprechend – und fotografiert. Das Verschwinden als Kunstform und Ausdruck des Protests funktioniert überall auf der Welt, auch in Caracas. Zum ersten Mal ist Liu Bolin in Venezuela zu Gast.

“Als ich hier ankam, stellte ich fest, dass ich in einem gepanzerten Fahrzeug fuhr. Das brachte mich dazu, über die Gewalt, die heute in diesem Land herrscht nachzudenken.”

Erst durch das Verschwinden wird das dargestellte Problem deutlich. So funktioniert das Prinzip des unsichtbaren Mannes, eine Mischung aus Body Art, Performance und Fotografie. Menschen als wandelnde Zielscheiben oder als Geldscheine getarnt, so reagiert Liu Bolin auf die hohe Kriminalität und die Inflation in Caracas.

“Als ich in einen Supermarkt ging, wurde mir klar, wie stark die Inflation den Menschen hier zu schaffen macht. Mit dem Geldschein wollte ich auf die Beziehung zwischen Mensch und Geld hinweisen. Ein anderes Werk beschäftigt sich mit Maismehl, eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel hier, das immer knapper wird. Das ist die Idee, die ich darstellen wollte.”

“Rotes Theater” hieß seine jüngste Fotoperformance in China: ein Gruppenbild mit immehin 22 unsichtbaren Teilnehmern. Vor acht Jahren begann Liu Bolin mit den “Verschwindebildern”, aus Protest gegen den Abriss seines Pekinger Künstlerateliers. Seitdem ist er als unsichtbarer Mann unterwegs, gut versteckt und dennoch nicht zu übersehen.