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"Prestige" - Chronik einer angekündigten Katastrophe

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"Prestige" - Chronik einer angekündigten Katastrophe

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Mittwoch, 13. November 2002. Der Öltanker “Prestige” gerät vor der Küste der nordspanischen Region Galazien in einen Sturm. Der 1976 gebaute unter der Flagge der Bahamas fahrende Tanker hat 77.000 Tonnen Öl an Bord. Um 15 Uhr 15 lässt der griechische Kapitän SOS funken. Kapitän Apostolos Mangouras und sein erster Offizier Nikolaos Argyropoulos schicken die überwiegend von den Phillipienen stammende Besatzung in die Rettungsbotte, bleiben aber selber an Bord.
Es folgt eine schier unfassbare Diskussion zwischen dem Kapitäne der “Prestige”, der es ablehnt, sein Schiff ohne Weisung des Reeders von einem Schlepper an die Leine nehmen zu lassen, und der spanischen Seeaufsichtsbehörde am Cap Fisterra.
Nachdem kein erreichbarer Hafen das leck geschlagene Schiff hereinlassen wollte, hat die Behörde entschieden, den Havaristen aufs offene Meer hinaus schleppen zu lassen.
Am 14 November um 15 Uhr 30 erreicht der Schlepper “Ría de Vigo” den Tanker, nur drei Seemeilen vor Cap Fisterra. Die spanische Regierung entscheidet aus Angst vor Ölpest, den Havaristen möglichst weit hinaus aufs Meer zu schleppen. Am 19. November um 8 Uhr früh ist es dann so weit. 135 Seemeilen vor Cap Fisterra bricht der Tanker in zwei Teile. 60.000 Tonnen Öl ergießen sich ins Meer und werden schön breit verteilt an die nordspanische Küste gespült. Nun bekommen alle Orte etwas ab, die den Tanker vorher nicht in ihren Hafen lassen wollten. Noch im August 2003 tritt aus dem Wrack am Meeresgrund in 3.600 Metern Tiefe weiter Öl aus. Es folgt eine gewaltige Ölpest.
Tausende von Helfern versuchen den klebrigen schwarzen Dreck von Stränden und Felsen zu kratzen.
Spaniens Polit-Prominenz kommt die Helfer zu loben, sogar der spanische König erscheint am Katastrophenort. Von der amerikanischen Klassifizierungsagentur, die dem schrottreifen Schiff Seetüchtigkeit bescheinigt hatte, ist beim Prozess nach 11 Jahren keine Rede mehr.