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Chile - Präsidentschaftskandidaten

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Chile - Präsidentschaftskandidaten

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Eine Auswahl unter so vielen Präsidentschaftskandidaten hatten die Chilenen noch nie. 6 Männer und drei Frauen stellen sich zur Wahl.
Aber echte Chancen haben nur zwei Frauen. Die noch dazu beide symbolhaft für Chiles jüngere Geschichte stehen. Sie kannten sich schon als Kinder, die Väter waren beide Luftwaffenoffiziere. Der Vater von Michelle Bachele stand loyal zu Allende, wurde gefoltert und ermordet. Der Vater von Evelyn Matthei gehörte zur Junta von Diktator Pinochet. Bachelet floh mit ihrer Mutter und studierte in der DDR Medizin.
Die 62jährige Michele Bachelet war von 2006 bis 2010 schon einmal Chiles Präsidentin. Jetzt hat sie ihre “Nueva Mayoria” erweitert. In das Bündnis von Christdemokraten, Sozialdemokraten und Sozialisten wurden auch die Kommunisten aufgenommen. Sie will das Steuersystem gerechter gestalten, die noch von Pinochet stammende Verfassung reformieren und strebt eine grundlegende Bildungsreform an, vom Kindergarten bis zur Universität.
Evelyn Matthei von der rechten “Unabhängigen Demokratischen Union”, ausgebildet als Ingenieurin und Pianistin, gilt als “eiserne Lady” Chiles. Im Kabinett des scheidenden Präsidentin ist sie Arbeitsministerin. Sie sagt: “Unser Programm sieht aus die das Deutschland von Merkel, ihr Programm wie das Deutschland der Berliner Mauer.”
Eine Verfassungsänderung kommt für Matthei nicht in Frage. Beide Kandidatinnen wollen die vom scheidenden Präsidenten geförderte Pazifik-Allianz mit Μexiko, Kolumbien und Peru stärken.
Mathhei will auch dessen Wirtschaftspolitik fortführen, die Unternehmen förderte und zeitweilig bis zu 6% Wachstum brachte. Das ist jüngst allerdings eingebrochen, was nicht zuletzt an den aggressiver werdenden Protesten der Beschäftigten sichtbar wird, deren Löhne sinken. Für den Präsident des Studentenverbandes hat sich das neoliberale System überholt. Andres Fielbaum sagt:“Vor 4 Jahren fand man es noch verrückt, von kostenloser Bildung zu sprechen. Aber jetzt sehen wir, dass es für Chile notwendig ist. Wir waren so an das private System gewöhnt, sehen das als den effektivsten Weg an, betrachteten den Profit als Motor für alle menschlichen Aktivitäten – und der Staat hatte erst die zweite Rolle zu spielen. Aber nach Jahren sehen wir, dass es Lebensbereiche gibt, die anders funktionieren müssen.”
Da verwundert es nicht, wenn vor allem die Studenten in Chile auf die Straße gehen. Die linke Kandidatin Michelle Bachelet genießt auch über ihre linke Allianz hinaus reichlich Interesse bis hin zu Unterstützung.
Es könnte am Ende auf eine Stichwahl der beiden Offizierstöchter hinauslaufen.