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Erstmals Schuldspruch gegen TÜV Rheinland wegen französischer Brustimplantate

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Erstmals Schuldspruch gegen TÜV Rheinland wegen französischer Brustimplantate

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Im Skandal um minderwertige Brustimplantate hat ein Gericht im französischen Toulon erstmals eine Verantwortung des TÜV Rheinland festgestellt. Rund 1600 betroffene Frauen und sechs Händler hatten gegen den deutschen Prüfdienstleister geklagt. Sie können jetzt auf Geld hoffen. Aus Sicht des Gerichts verletzte der TÜV seine “Pflicht zur Kontrolle und Wachsamkeit” bei den Implantaten aus Frankreich.

Laurent Gaudon, einer der Kläger-Anwälte, sagte, der TÜV habe 15 Jahre lang zertifiziert, dass die Implantate weder eine Gefahr für die Gesundheit, noch für die Patienten darstellten – ohne auch nur eine einzige Prothese berührt zu haben, ohne gründliche Kontrollen und Zufallstests durchzuführen. Er habe die Arbeit an ein Unternehmen ausgelagert, das dafür keine Genehmigung gehabt habe.

Die Anwältin des TÜV Rheinland, Cécile Derycke, sagte, das Urteil widerspreche der Rechtslage und selbst der Position der Staatsanwaltschaft von Toulon. Die Untersuchung in Marseille habe nach zwei Jahren ergeben, dass der TÜV Rheinland seinerseits Opfer eines Betrugs der Firma PIP geworden sei. Man suche hier wohl einen zahlungsfähigen Schuldigen.

Der TÜV hatte im Auftrag des inzwischen insolventen Herstellers Poly Implant Prothèse dessen Produktion zertifiziert. Der Prozess war Teil einer Reihe von Verfahren in dem Betrugsfall. PIP-Gründer Jean-Claude Mas sowie frühere Mitarbeiter sind vor einem Strafgericht in Marseille angeklagt. Dort ist ein Urteil für Dezember angekündigt.