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Haben es gut aussehende Menschen leichter im Leben?

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Haben es gut aussehende Menschen leichter im Leben?

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Seit ihrer Geburt hat Alexandria eine Lippen- und Gaumenspalte. Sie erinnert sich, “sobald dich jemand anguckt, wirst du in eine Schublade gesteckt, vor allem, wenn du anders aussiehst. Wer das noch nie erlebt hat, kann nicht nachvollziehen, wie sich die betroffenen Menschen dabei fühlen.”

Dank Chirurgie und großer Unterstützung ihrer Familie leidet die Psychologie-Studentin kaum mehr unter ihrem Aussehen. Das können nicht alle Betroffenen von sich behaupten. Alexandria weiß, was in vielen vorgeht: “Für sie ist es schwieriger, sich in eine Gruppe zu integrieren, denn die meisten haben ein schwaches Selbstbewusstsein. Es ist schwieriger, Freunde zu finden, auszugehen und Spaß zu haben. Will jemand als Verkäufer oder in einem Job mit Kundenkontakt arbeiten, hat er Angst, abgelehnt zu werden: Ich hatte Freunde, die diese Jobs von Anfang an ausgeschlossen haben. Nun arbeiten sie abgeschottet im Lager, also hinter den Verkaufsräumen.”

Im Centre of Appearance Research in Bristol hat sich Nicole Paraskeva lange mit dem Thema auseinandergesetzt. Entstanden ist ein interaktiver Parcours. “Wir sehen eine Ausstellung, die wir im Zentrum zur Erforschung des Erscheinungsbilds zusammengestellt haben. Es stellt äußerliche Stereotypen in Frage.”

Bei einem Test müssen verschiedenen Menschen Berufe und Tätigkeiten zugeordnet werden. Einziger Anhaltspunkt: Das Aussehen.

Ein Ergebnis steht schon jetzt fest: Im Alltag vieler Menschen spielt Aussehen eine große Rolle. Nicole Paraskeva erklärt, “vor kurzem haben wir eine Umfrage unter 77.000 erwachsenen Briten durchgeführt. Ergebnis: 60% der Männer und Frauen zwischen 18 und 27 Jahren schämen sich ihres Aussehens. Schon Fünfjährige haben Angst, zu dick zu sein; manche würden sogar eine Diät machen, um besser auszusehen. Kinder können dem Einfluss der Medien nicht entkommen. Von klein auf sehen sie Fernsehprogramme mit schönen Menschen. Medien zeigen ihnen immer wieder, wie man auszusehen hat.”

Das Projekt “Appearance Matters” unterstreicht, wie wichtig Vielfalt und Unterschiede sind. Es gehört zum Leonardo da Vinci Programm der Europäischen Kommission. Ziel ist, Lehrer und Tutoren auszubilden, die jungen Menschen den Umgang mit ihrem Äußeren erleichtern. Martin Persson ist der Koordinator. Er fasst zusammen: “Wir vermitteln Menschen mit schwachem Selbstbewusstsein oder einem äußerlichen Makel soziale Fähigkeiten. Sie lernen, ihr wahres Ich zu zeigen, damit es ihr Umfeld wahrnimmt.”

Offenbar leiden viel mehr Menschen unter einem schwachen Selbstbewusstein, als angenommen wird. Persson sagt, “40% der Schüler beteiligen sich nicht am Unterricht, weil sie keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen. Sie schämen sich ihres Aussehens. Für junge Menschen in Europa wird die Lage auf dem Arbeitsmarkt immer schwieriger. Wenn dann noch ein zusätzliches Handicap hinzukommt, wird es noch schwieriger.”

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Centre for Appearance Research, University of the West of England

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