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Überlebenstraining und Gehirnwäsche im "Kommandokorps"-Camp

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Überlebenstraining und Gehirnwäsche im "Kommandokorps"-Camp

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Im Schoß der Natur erlernen junge Menschen den Umgang mit Schusswaffen und wie man einen Angreifer mit bloßen Händen abwehrt. Kein romantisches Zeltlager, sondern ein Ausbildungscamp des rechtsradikalen Militärvereins “Kommandokorps”. Alle Teilnehmer sind weiß und ihr Feind schwarz, so viel ist nach spätestens neun Tagen Training klar. Für ihre brisante Dokumentation “Fatherland” begab sich Tarryn Lee Crossman in vermintes Terrain, sie begleitete drei Jugendliche in das berüchtigte Sommercamp.

“Diesen Film zu machen und Zeit mit diesen Männern zu verbringen, war eine wirklich komplexe Erfahrung. Viele Leute fragten mich, was sich für mich den Afrikaanern gegenüber verändert hatte nach dem Camp, es war das Gegenteil, von dem, was ich erwartet hatte. Ich ging in das Camp mit der Meinung, die Afrikaaner seien mehrheitlich Rassisten. Aber danach empfand ich so etwas wie Mitgefühl für eine entrechtete Kultur. Leute wie Franz Jooste sind untröstlich, weil sie für etwas gekämpft haben und es keinen Platz mehr für sie gibt.”

Franz Jooste, ein Militärveteran, der in der alten Apartheid-Armee kämpfte, ist Chef des “Kommandokorps” und der leitet die Camps. Auf ihrer Webseite beschreibt sich die Organisation als Eliteeinheit, die im Fall eines Angriffs “ihre eigenen Leute beschütze”.
Fast 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid hat die rassistische Ideologie Bestand. Der Film legt den Finger auf die offenen Wunden Südafrikas. “Fatherland” hatte ausgerechnet zeitgleich mit “Mandela – Long Walk to Freedom” über den südafrikanischen Anti-Apartheidshelden Nelson Mandela in Johannesburg Premiere.

“Wir haben darüber diskutiert, ob der Film erscheinen sollte oder nicht, wegen der Kontroverse, die er hervorrufen würde. Ich entschied mich dafür, denn meiner Ansicht nach gehören viele Dinge, die in der Doku angesprochen werden, auf einem etwas weniger extremen Niveau zum Alltag in Südafrika. Wenn wir nicht anfangen, uns dem stellen und darüber zu debattieren, wird es nie zu Ende gehen.”

Weitere Premierendaten für “Fatherland” sind bislang nicht bekannt.