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Loya Dschirga soll Abkommen mit den USA stärkere Legitimität verleihen

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Loya Dschirga soll Abkommen mit den USA stärkere Legitimität verleihen

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Die Loya Dschirga hat in Afghanistan und mittelasiatischen Ländern eine lange Tradition. In der “großen Stammesversammlung” berieten schon vor Jahrhunderten die Stammesältesten. Der Ursprung geht zurück bis auf Dschingis Khan vor 900 Jahren. 2002 durften in Afghanistan erstmals Frauen teilnehmen.
Die 2500 Abgesandten von Stämmen und regionalen Gruppen verleihen brisanten Entscheidungen eine besonders schwer wiegende Legitimität. Und dieses Thema ist an Brisanz kaum zu überbieten – es geht um die künftige Sicherheit im Lande und gleichzeitig um Afghanistans Souveränität. Denn die sehen viele der ehrenwerten Delegierten gefährdet, wenn in dem zur Abstimmung anstehenden Sicherheitsabkommen mit den USA amerikanische Soldaten von afghanischer Strafverfolgung ausgenommen werden. Für die USA ist das eine Schlüsselbedingung, um auch nach dem Dezember 2014 Kontingente ihrer Armee im Lande stationiert zu lassen. Die sollen dann beraten, ausbilden und nur in Ausnahmefällen aktiv gegen Terroristen von Al Kaida und deren Verbündete vorgehen dürfen. Statt wie gegenwärtig mehr als 86.000 Mann sollen dann rund 15.000 Mann für voraussichtlich weitere zehn Jahre in Afghanistan bleiben, wobei ebenso wie jetzt im Rahmen von ISAF die NATO mitwirken könnte. Unterschreiben wird den Vertrag in jedem Fall erst der im April zu wählende neue Präsident. Es könnte Mohammed Daud Sultanzoy werden. Der Präsidentschaftskandidat betont, sein Land brauche Verbündete, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Und diese Allianz sollte bestmöglich geregelt sein, damit die Afghnanen wissen, was sie erwartet. Strikt dagegen sind natürlich die Taliban, die 2002 von der Herrschaft über das ganze Land mit Hilfe der ausländischen Truppen vertrieben wurden. Sie bekämpfen nicht nur die fremden Soldaten im Land sondern auch die Loya Dschirga, die deren Anwesenheit Legitimität verleiht. Die Autobombe, die am vergangenen Samstag in Kabul sechs Menschen tötete, war als direkte Drohung gegen die Delegierten zu verstehen. Der Anschlag erfolgte in der Nähe der technischen Hochschule, in der die Loya Dschirga tagt.
2011 hatten die Taliban den Ort der Stammesversammlung mit Raketen beschossen.
Eine Wahl haben die Afghanen eigentlich nicht. Andere Verbündete sind nicht in Sicht und ohne das Abkommen werden die Amerikaner Afghanistan ebenso verlassen wie im Januar 2012 den Irak.