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Frankreich schickt Truppen in die Zentralafrikanische Republik

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Frankreich schickt Truppen in die Zentralafrikanische Republik

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Papa Frankreich soll wieder einmal für Ordnung sorgen bei seinen unordentlichen Kindern in Afrika.
Knapp ein Jahr nach dem Militäreinsatz in Mali gärt es jetzt in der Zentralafrikanische Republik. Die hat seit der Unabhängigkeit 1960 nie so richtig Ruhe gefunden – sieht man einmal von der Friedhofsruhe ab, die der selbsternannte “Kaiser” Bokassa in den 1960er und ´70er Jahren verbreitete. Nun also wieder ein Putsch.
Frankreichs Außenminister Laurent Fabius spricht vor dem Parlament in Paris von einem Land, das am Zusammenbrechen ist, von entsetzlichen Zuständen – und von veränderten Machtverhältnissen, denen man Rechnung tragen müsse.
Der Putsch fand schon im März statt. Es geht – wie zumeist bei solchen gewaltsamen Umbrüchen – um eine Minderheit, die sich unterdrückt fühlt. Hier sind es die Muslime, die den Präsidenten der christlichen Mehrheit verjagt haben. Inzwischen hat sich der Rebellenführer Michel Djododia als Präsident installieren lassen. Seine Militärkoalition mit Namen SELEKA ist offiziell aufgelöst, sorgt aber inoffiziell immer noch für Angst und Schrecken. Und da kommt dann wieder einmal die ehemalige Kolonialmacht Frankreich ins Spiel. Ursprünglich hatte sie nur etwas mehr als 400 Soldaten am Flughafen der Hauptstadt stationiert – zum Schutz der im Lande lebenden Franzosen. Nun soll aufgestockt werden, um aktiv in einen schwelenden Bürgerkrieg einzugreifen. In einer Situation, da mindestens zehn Prozent der Einwohner auf der Flucht sind. Und es gilt zu verhindern, dass der Funken auf ebenfalls instabile Nachbarländer überspringt. Erschwerend kommt hinzu, dass auch die Anhänger des neuen Machthabers mit dem Erreichten nicht zufrieden sind. Eine Frau schreit:
“Ich bin enttäuscht!” Damit meint sie “Papa Djododia”, wie sie den zum Präsidenten aufgestiegenen Rebellenführer nennt. “Der ist doch als Befreier gekommen, was tut er, mit wem regiert er das Land?”?
Die aus ihren Häusern geflohenen Menschen hausen unter unsäglichen Bedingungen in den Wäldern.
Christen werden von Soldaten der offiziell aufgelösten Moslem-Miliz SELEKA tyrannisiert. Folglich ist inzwischen eine Art Selbstverteidigungs-Miliz der Christen entstanden. Im Lande herrscht Bürgerkrieg.
Und die Nachbarländer Uganda, Sudan, Nigeria?
Die haben selbst genug Unruhepotenzial, da besteht die Gefahr, dass noch mehr Kämpfer kommen, die den blutigen Konflikt noch ausweiten werden.