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Island: Schuldenschnitt für die teuren vier Wände

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Island: Schuldenschnitt für die teuren vier Wände

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Mit einem Schuldenschnitt für Privathaushalte will die isländische Regierung die Folgen der Finanzkrise mildern. Je Haushalt sollen so bis zu 25.000 Euro Schulden entfallen, die genaue Höhe richtet sich nach der Höhe und den Konditionen der jeweiligen Hypothek.

Der Schuldenschnitt soll 910 Millionen Euro kosten. Aufkommen sollen dafür unter anderem die Großbanken und ihre ausländischen Gläubiger.

Der Finanzminister kündigte eine Sondersteuer für die Banken des Landes an, die etwa ein Viertel der in Aussicht gestellten Summe decken soll.

Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson:

“Direkt berührt die Maßmahme etwa 80 Prozent der isländischen Haushalte. Aber indirekt profitieren alle. Das bringt Wirtschaftswachstum und mehr Kaufkraft.”

Bevor sie im Herbst 2008 unter der Last ihrer Verbindlichkeiten zusammenbrachen, hatten die Banken im großen Stil Immobilienkredite in ausländischen Währungen ausgereicht, vor allem in Dollar, Euro, Franken und Yen. Dann fiel die isländische Krone in der Krise um mehr als zwei Drittel. Bis heute zahlen viele Schuldner Hypotheken ab, die höher sind als der Marktwert ihrer Immobilie.

Die Ankündigung des Schuldenschnitts war der größte Trumpf der liberalen isländischen Fortschrittspartei vor der Wahl im April, nach der Sigmundur David Gunnlaugsson zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Schon die sozialdemokratisch geführte Vorgängerregierung hatte gefunden, dass die Banken und ihre Gläubiger zumindest einen Teil der Lasten der Finanzkrise tragen sollten. So haben die Institute seit 2008 nach Berechnungen der isländischen Finanzaufsicht ihren einheimischen Schuldnern schon umgerechnet knapp 1,5 Milliarden Euro erlassen.

Der geplante Deal entspricht 9 Prozent der Wirtschaftskraft der Insel. Würden die Banken zu stark belastet, dann wecke das “Zweifel am wirtschaftlichen Fortschritt” Islands, warnte die OECD.

su