Eilmeldung

Eilmeldung

Krisen und Krieg lassen Korruption blühen

Sie lesen gerade:

Krisen und Krieg lassen Korruption blühen

Schriftgrösse Aa Aa

“Korruption ist der Missbrauch anvertrauter Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil;” so die Definition von Transparency International
Besonders anfällig: Länder, die genau das Gegenteil sind vom friedlichen Musterknaben Dänemark: Länder in Bürgerkrieg oder schweren Krisen. So rutschte Spanien zusammen mit Mali, Gambia, Guinea-Bissau und Libyen im aktuellen Ranking von Transparency International am weitesten ab. Nur das Bürgerkriegsland Syrien stürzte noch tiefer.

Edda Müller, Vorsitzende von Transparency International Deutschland:

“Wir haben zwei Drittel aller Länder, 177 Länder insgesamt, die landen unter 50 von 100 möglichen Punkten. Das heißt, die Korruption in diesen Ländern ist immer noch sehr kritisch.”

Nach dem jährlichen Index der weltweit agierenden Nichtregierungsorganisation sind Dänemark, Neuseeland, Finnland und Schweden die weltweit unbestechlichsten Länder (mindestens 89 von 100 Punkten).

Am untersten Ende der Skala finden sich als die drei korruptesten: Afghanistan, Nordkorea und Somalia auf Rang 175-177 (je 8 Punkte).

Dazwischen viele Staaten in Europa mit Deutschland auf Platz 12 (78 Punkte), Frankreich auf Platz 22 (71 Punkte). Unter die kritischen 50 Punkte kamen Kroatien und Tschechien (Platz 57, je 48 Punkte), Italien und Rumänien (Platz 69/je 43 Punkte), Bulgarien (Platz 77/41 Punkte) und als EU-Schlusslicht Griechenland (Platz 80/40 Punkte).

Der Index basiert auf Experteneinschätzungen zur Korruption im öffentlichen Sektor.

Transparency International sitzt in Berlin und hätte ein paar konkrete Tipps für die neue Bundesregierung:

1. Ein Lobbycheck für Gesetzentwürfe und -ein Lobbyregister,
2. Strengere Regeln und Limits für die Parteienfinanzierung und
3. für den Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft, den sogenannten Drehtüreffekt.

Außerdem beklagte Müller “besorgniserregende Tendenzen im Lobbyismus” in der deutschen Politik. Bei der Parteienfinanzierung forderte sie unter anderem eine Deckelung der Spenden bei 50.000 Euro. In den vergangenen Monaten
hatten unter anderem sechsstellige Großspenden der Automobilindustrie an deutsche Parteien Schlagzeilen gemacht.

Sigrid Ulrich mit Reuters