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Pleite-Ängste um die Ukraine

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Pleite-Ängste um die Ukraine

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In der Ukraine haben der staatliche Energiekonzern Naftogaz und das russische Unternehmen Gazprom den Gaspreis-Streit vertagt. Fällige ukrainische Zahlungen für russisches Gas würden von Oktober bis Dezember auf das Frühjahr verschoben. Mit dieser Information wird der Chef von Naftogaz, Jewgeni Bakulin, zitiert. Zuvor hatte Naftogaz als zahlungsunfähig gegolten.

Wenige Tage zuvor war ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union geplatzt.

Andererseits sagte Bakulin zu: „Wir sind bereit, stabile Lieferungen russischen Erdgases nach Europa zu garantieren“.

Noch Ende Oktober hatte Ministerpräsident Mykola Asarow noch Russland attackiert: In den letzten drei Jahren habe das Land für russisches Erdgas rund 20 Milliarden US-Dollar zu viel bezahlt. Die Ukraine hängt stark von russischen Gasimporten ab und bezog nach dem Zerfall der Sowjetunion den Rohstoff jahrelang billig. Jetzt wird der volle Weltmarkt-Preis verlangt.

Der Richtungswechsel und die Proteste dagegen, nach dem zentralen Maidan-Platz in Kiew “Euromaidan” genannt, verunsichern die Finanzmärkte.

Ishaq Siddiqi, Marktstratege ETX, London:

“Es ist ein kleines Land, im Vergleich zur Eurozone. Aber als Thema könnte die Ukraine die Nerven der Anleger blank legen, sobald sich irgendeine Art von Ansteckung bei anderen osteuropäischen Ländern abzeichnet.”

Nach den pro-europäischen Protesten versucht die Notenbank der Ukraine, die Menschen zu beruhigen und einen Ansturm auf die Geldhäuser zu verhindern. An den Finanzmärkten stiegen die Risikoaufschläge für ukrainische Staatsanleihen weiter, wie auch die Prämien für Kreditausfallversicherungen. Die Landeswährung Hrywnja ist auf ein Vier-Jahres-Tief gegenüber dem Dollar gefallen (8,25 Hrywnja/Dollar).

Die ohnehin niedrigen Gold- und Währungsreserven (Ende Oktober 20 Milliarden Dollar) dürften 2014 laut Fitch auf knapp 13 Milliarden Dollar schrumpfen. Das Budgetdefizit beträgt sechs Prozent des BIP, das Leistungsbilanzdefizit 8,5 Prozent. Das Wirtschaftswachstum geht bereits das fünfte Quartal in Folge zurück.

Bis vor 1,5 Jahren hatte der Internationale Währungsfonds die Ukraine vor der Pleite bewahrt. Bedingungen für mehr Hilfe: Höhere Gaspreise für die Bevölkerung, weniger Budgetdefizit und eine Abwertung der Landeswährung Hrywnja.

su mit dpa, Reuters

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