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Hommage an Binoche, Masterclass mit James Grey

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Hommage an Binoche, Masterclass mit James Grey

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Ebenso wie für Sharon Stone gab es auch für die französische Schauspielerin einen Goldenen Ehrenstern auf dem Internationalen Film Festival in Marrakesch. “Das ist für mich ein besonderes Land, weil meine Familie 15 Jahre lang hier lebte”, erklärte Juliette Binoche. “Man hat mir viel und oft von Marokko erzählt. Heute hier zu sein, berührt mich sehr.”

Die Karriere der Binoche zählt filmische Meisterwerke wie “Die Liebenden von Pont-Neuf” von Leos Carax, oder “Drei Farben: Blau” von Krzysztof Kieślowski. Auch mit Michael Haneke und Abbas Kiarostami drehte die Ausnahmeschauspielerin und erhielt viele bedeutende Auszeichnungen, darunter den Oscar für die beste Nebendarstellerin in “Der englische Patient” von Anthony Minghella.

Kawtar Wakil, euronews: “Die Masterclass hat sich zu einem wichtigen Treffpunkt des Festivals entwickelt, bei dem Regisseure mit Filmstudenten zusammenkommen. Bei den Gesprächsrunden teilen herausragende Filmemacher ihre Erfahrungen mit dem Nachwuchs. In diesem Jahr sind es der Amerikaner James Grey und der Franzose Bruno Dumont.”

James Grey war bereits 2012 als Jurymitglied in Marrakesch. Diesmal ist der renommierte Regisseur, Drehbauchautor und Produzent als Lehrmeister auf dem Festival.

James Gray: “Es fällt mir schwer, irgendwelche Ratschläge zu geben. Das Einzige, worüber ich sprechen werde, ist die Notwendigkeit, persönliche Filme zu machen, sich selbst einzubringen und sich für die aktuelle Lage der Filmbranche zu interessieren. Weltweit sieht es ganz gut aus. Aber für das US-Kino ist die Lage knifflig. Das Problem ist der Vertrieb. Wir haben viele gute Filmemacher, ich weiß nicht, ob es ebenso viele gute Verleiher gibt.
Ich bin hier, weil ich Marokko und dieses Festival liebe. Aber als man mich zur Masterclass einlud, fragte ich mich schon, ob ich das bereits verdient habe. Hoffentlich werde ich den Erwartungen gerecht.”

Auch der Franzose Bruno Dumont, bekannt für Filme wie “Camille Claudel 1915” oder “Humanität “, teilte seine Erfahrungen mit dem Nachwuchs in der Masterclass.

Bruno Dumont: “Das ist ein Ort, an dem ich erklären kann, warum ich so arbeite, mich für diese Themen interessiere, warum Gewalt oder Sex vorkommen oder auch nicht. All diese Fragen, die man sich durchaus stellen kann, wenn man einen Film sieht. Es ist für den Filmemacher eine ebenso bereichernde Erfahrung, auf den Zuschauer zu treffen.”

Zu den fünfzehn Wettbewerbsbeiträgen gehört der französische Streifen “La Marche” mit Tewfik Jallab und dem Komiker und Schauspieler Jamel Debbouz, der auf dem Djemaa el Fna Platz in Marrakesch Vorpremiere feierte.

Jamel Debbouz: “Es geht um Gleichberechtigung, eine ewige Baustelle. Ich kenne kein Land, in dem sie das geregelt haben. Aber wenn sich das Kino dafür interessiert, entstehen so tolle Sachen wie “La Marche”.”

Tewfik Jallab: “In Frankreich wurde dieser Teil der Geschichte verdrängt, als junge Menschen aus dem Lyoner Vorort Minguettes beschlossen, gegen Rassismus und für gleiche Rechte zu demonstrieren. Die 80er Jahre waren eine schlimme Zeit in Frankreich. Es war wichtig, ihnen eine Hommage zu erweisen, denn ihre Geschichte ist völlig in Vergessenheit geraten. Jüngste Umfragen zeigen, dass 80% der Franzosen nichts vom großen Marsch wissen.”

Besagter Demonstrationszug gegen Rassismus und Diskriminierung, der von Marseille bis nach Paris führte, feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Der Film von Nabil Ben Yadir ist eine Art Geschichtslektion und gerade in den französischen Kinos angelaufen.