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Zinskartell: Deutsche Bank zahlt hunderte Millionen

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Zinskartell: Deutsche Bank zahlt hunderte Millionen

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EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia hat gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von insgesamt 1,71 Milliarden Euro verhängt. Eine Reihe von Spitzeninstituten, unter anderem die Deutsche Bank, waren Teil von gleich zwei Händlerringen, die sich zum Vorteil ihrer Institute über sogenannte Referenzzinssätze abgesprochen haben.

Zinssätze wie der Libor werden einmal am Tag in London ermittelt. Sie beruhen auf Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten und sind Basis für Finanzgeschäfte in Billionenhöhe. Die Händler hatten sich offenbar jahrelang abgesprochen, um so Handelsgewinne zu erzielen.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia:

“Was schockierend ist am LIBOR- und EURIBOR-Skandal: Da wurden nicht nur Benchmarks manipuliert, was ein sehr ernster Verstoß ist. Da wurden echte Kartelle gebildet zwischen einer Reihe von Finanzakteuren. Mit dieser Entscheidung wollen wir die klare Botschaft vermitteln: Die Kommission ist entschlossen, im Finanzsektor solche Kartelle zu bekämpfen und zu sanktionieren.”

Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen. Die Deutsche Bank: “Einzelne Mitarbeiter haben schwer gegen Werte und Überzeugungen der Deutschen Bank verstoßen.” Insgesamt hält die Bank für solche Streitfälle 4,1 Milliarden Euro bereit. Die Rückstellungen haben im dritten Quartal den Gewinn aufgefressen. Mit 1 Milliarde Euro will die Bank nun ihre Systeme und Kontrollen auf Vordermann bringen.

Bestraft wurden außerdem die französische Societe Generale, die US-Banken Citigroup und JPMorgan Chase und der Broker RP Martin. Die Schweizer UBS hatte über die Manipulationen beim Euribor und Yen-Libor ausgepackt und sich damit nach Angaben der Kommission eine Strafe von 2,5 Milliarden Euro erspart. Die Verfahren gegen Credit Agricole und gegen HSBC laufen noch.

Aufsichtsbehörden hatten weltweit wegen des Skandals bisher fast vier Milliarden Dollar an Strafen gegen UBS, Royal Bank of Scotland (RBS), Barclays und die niederländische Rabobank verhängt. Im nächsten Jahr wird eine Einigung mit den US-Behörden erwartet.

su mit Reuters