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Mandelas Freund Bizos:"Er gab ein Beispiel für demokratisches Verhalten."

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Mandelas Freund Bizos:"Er gab ein Beispiel für demokratisches Verhalten."

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Aus Johannesburg ist uns George Bizos zugeschaltet, ein persönlicher Freund von Nelson Mandela. Als Mandela über Jahrzehnte hin vom Apartheit-Regime verfolgt und eingesperrt wurde, war Bizos sein Anwalt. Er hat ein Buch geschrieben über seinen bedeutendsten Mandanten. In Südafrika heisst es heute, wenn Mandela der “Vater der Nation” ist, dann ist der gebürtige Grieche Bizos der “geistige Vater der Nation”.

George Bizos
Ich danke für die Gelegenheit, mich an Griechenland und die anderen Länder der Welt zu wenden

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Bitte beschreiben Sie uns Mandelas Zustand.

George Bizos
Er ist ein Mann, der sein Leben dem Besten des Volkes von Südafrika geweiht hat, allen Menschen in Afrika und in der ganzen Welt.

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Was hat Ihre Freundschaft besonders vertieft?

George Bizos
Der Fakt, dass er nicht noch eine Amtszeit lang Präsident bleiben wollte. Er wollte ein Beispiel geben für andere Politiker in Südafrika und auch für Politiker in ganz Afrika, die gewöhnlich bis zum Lebensende im Amt blieben. Auch wenn die immer sagten, sie glaubten an die Demokratie, so wurden sie doch Diktatoren.

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Wie haben Sie Mandela kennen gelernt?

Georg Bizos
Ich traf Nelson Mandela erstmals 1948 an der Universität. Er war älter, wurde vor mir Anwalt. 1954 wollte ihn ein Richter nicht anerkennen, fragte vielmehr: “Wer sind sie?”
Er antwortete:” Ich bin Nelson Mandela und ich bin Anwalt.” Der Richter fragte nach einer entsprechenden Urkunde. Mandela antwortete:“Die habe ich nicht dabei”, weil niemand solche Papiere ständig bei sich trug. Und jedermann wusste, dass Mandela Anwalt war.
Worauf der Richter sagte:” Gehen Sie, ich erteile Ihnen nicht das Recht, vor dem Gericht zu sprechen.” Er berief mich an Mandelas Stelle, wir gewannen den Prozeß und wurden Freunde.

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Sie haben Mandela oft auf der Insel Roben Island besucht, wo er 18 seiner 27 Gefängnisjahre verbrachte. An was erinnern Sie sich besonders?

George Bizos
Er war immer optimistisch, dass das Volk von Südafrika Freiheit, Demokratie und Gleichheit gewinnen wird. Bei meinen ersten Besuchen wurde er immer von acht Wärtern begleitet. Er kam, umzingelt von den acht Wärtern. Ich umarmte ihn. Er fragte nach seiner Familie und sagte dann ganz unvermittelt:” George, ich bin noch nicht lange hier im Gefängnis, aber ich habe schon meine Manieren verloren und bin unhöflich geworden. Ich habe vergessen, Dir meine ´königliche Garde´vorzustellen. Und er stellte mir jeden einzelnen seiner Wärter vor.

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Als er aus dem Amt schied, mischte er sich nicht mehr in die Politik ein – außer bei Aids. Warum?

George Bizos
Weil das so eine unheimliche Krankheit war. Damit wollte er sich nicht abfinden. Seinen ältesten Sohn hat er durch Aids verloren. Die Familie wollte nicht, dass es bekannt wird. Mandela bestand darauf, es öffentlich zu machen und er beschuldigte seinen Nachfolger, Präsident Mbeki, nicht genug getan zu haben gegen das in Südafrika sehr ernsthafte Problem Aids.