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Südafrika: "Trauer wie eine Kommunion"

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Südafrika: "Trauer wie eine Kommunion"

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Alle Welt betrauert den Tod von Nelson Mandela, nennt ihn den letzten großen Mann Aber zweifellos sind die Gefühle in Südafrika am heftigsten.
Wie diese Gefühle ausgedrückt werden wird uns jetzt unser Sonderkorrespondent Francois Chignac aus Johannesburg schildern. Francois, was geschieht da gerade um Sie herum?

Francois Chignac
Das Bild, das sich uns hier bietet, ist das einer Kommunion. Das Land trauert, aber diese Trauer wird anders ausgedrückt. Hier versteht man das Wort “Trauerfeier” auf andere Art. Die Menschen singen, tanzen, sie drücken so ihr Miteinander aus.
Sie richten die Augen, recken die Arme zum Himmel und wie bei einer Kommunion in der Kirche umarmen sie einander. Dies hier ist wirklich mehr Kommunion als Traurigkeit. All das habe ich in den vergangenen Stunden vor Mandelas letztem Wohnort in Johannesburg gesehen. Die Polizei hat inzwischen Gitter aufgestellt, damit keine Autos in die Menge geraten. Die Gitter sind schon kurz darauf voller Blumen. Die Menschen errichten Altäre, stellen Kerzen auf, hinterlassen ihre Botschaften. Und sie erweisen Nelson Mandela singend und tanzend die letzte Ehre.

euronews
Was sagen die Menschen auf der Straße, wie stellen sie sich ihr Südafrika nach Mandela vor?
Wird sein Tod das Land schwächen?

Francois Chignac
Man darf nicht vergessen, dass sich das Land gerade in einer alles andere als einfache Lage befindet. 25 Prozent der Jugendlichen sind arbeitslos. Mir hat auf der Straße jemand gesagt, der ANC stehe heftig in der Kritik. Und für 2014 sind Wahlen angesetzt für Parlament und Präsident. Da wird die junge Generation wählen gehen, die nach der Apartheid geboren ist, die keine Apartheid mehr kennt. Und die wird wohl nicht ANC wählen. Wer kommt nach Mandela? Gibt es jemanden, Mann oder Frau, der Mandelas Flamme weitertragen könnte? Nichts ist mehr sicher in Südafrika, alle Welt stellt sich besorgt diese Frage.

euronews
Südafrika steht vor enormen Herausforderungen. An erster Stelle steht die Bekämpfung der Armut.
Ist das nicht das Land mit der größten Ungleichheit ? Kann da der Geist von Mandela etwas ausrichten?

Francois Chignac
Ja, Sie haben Recht, wenn Sie auf die Ungleichheiten verweisen. Die gibt es noch zwischen Weißen und Schwarzen, gleichermaßen zwischen Jugendlichen und dem Rest der Bevölkerung, auch zwischen Einwanderern und Einheimischen. Man sollte nicht vergessen, wie das Land 2008 praktisch im Chaos versank, unter der Gewalt litt, die ausbrach zwischen den Armutsflüchtlingen aus den Nachbarländern Simbabwe und Kongo. Diese Menschen wurden Opfer der Gewalt. Hier wird wirklich befürchtet, dass das Land nach dem Tod von Nelson Mandela nicht mehr davon zu bewahren ist, im Chaos zu versinken.