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Millionen feiern Lichterfest in Lyon

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Millionen feiern Lichterfest in Lyon

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Jedes Jahr rund um den 8. Dezember feiert Lyon das Lichterfest “Fête des Lumières”, ein mehrtätiges Festival, das bis zu vier Millionen Besucher in die französische Stadt lockt. Was einst als religiöses Fest mit Kerzenschein begann ist heute ein international gefragtes Ereignis, meint Bürgermeister Gérard Collomb. “Viele Städte in der Welt versuchen, das Modell zu kopieren, denn sie wissen, dass Licht eine magische Wirkung hat. Es bringt in dunklen Dezembernächten ein wenig Wärme in die Herzen.”

Viele verschiedene Künstler beleben die Lyoner Nacht mit Lichtinstallationen, in diesem Jahr sogar Modeschöpfer wie die französische Dessousdesignerin Chantal Thomass. Sie ließ sich von Blumen und zarter Spitze inspirieren.

Auch Modemeister Jean-Charles de Castelbajac, der Stars wie Madonna oder Lady Gaga einkleidet, hat sich etwas ausgedacht.Ein “verlorenes Paradies” im Innenhof des Rathauses. “Beim Thema Licht muss ich unweigerlich an auch Gott denken”, meint der Designer, “Licht ist für mich Hoffnung.”

Licht erobert die Lyoner Nacht, auch unter Tage. Während des Festivals wurde ein neuer Tunnel speziell für Fußgänger und Radfahrer eröffnet und mit einer dauerhaften Beleuchtung ausgestattet. Das Tunnelgewölbe stellte die Künstler vor technische Herausforderungen, betont Hélène Richard, künstlerische Leiterin von der Kunstagentur Skertzò. “Der Trick besteht darin, die Bilder als Anamorphosen auf die Wand zu werfen, sie so zu verzerren, dass sie das Gewölbe ausfüllen aber auch weite Strecken der Tunnelwand bedecken.”

Das Fest der Lichter wird nicht nur aus öffentlicher Hand finanziert. Viele Privatunternehmen und Firmen unterstützen das Festival, sagt Kulturstadtrat Georges Képénékian. “Das Fest wird zur einen Hälfte von der Stadt, zur anderen von Finanzpartnern getragen. Für sie ist das wie ein Showroom, um neue Technologien vorzustellen. Es geht um Innovationen, um die Beziehung zwischen Kultur, Industrie und Unternehmenswelt. Und um Tourismus, die internationale Ausstrahlung der Stadt.”

“Dress Codes” heißt eine andere Installation mitten in der Lyoner Altstadt. Die Fassade des Bahnhofs Saint-Paul wird in ständig neue Kleider gehüllt, ein Projekt der Designerin und Architektin
Helen Eastwood. “Wir wollten an die Geschichte der Stadt, die Textilindustrie erinnern mit Kleider- und Tapetenmotiven auf der Fassade.”

Ganz nah dran an der Natur: eine Installation am Flussufer entlang der Rhône mit Vogelnest-ähnlichen Gebilden. Den Künstlern war es wichtig, eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen. “Man kann das als ‘Land Art’ bezeichnen”, sagt Künstler Eric Barry. “Es ging uns nicht ums Licht, sondern darum, wie Licht wahrgenommen wird, wie es durch die Materie scheint.”

Mitten im Stadtpark “Parc de la Tête d’Or” hat die chinesische Künstlerin Li Li ihr eigenes kleines Chinatown aufgebaut, ein Kunsttempel mit Schattentheater zum Staunen und Mitmachen.

Vier Tage lang lockt das Festival Menschen aller Altersgruppen in die Lichterstadt, den frostigen Temperaturen zum Trotz.