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Mobbing unter Kindern

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Mobbing unter Kindern

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Mobbing ist unter jungen Leuten nichts Neues. Allerdings wird immer häufiger darüber gesprochen, um Bewusstsein dafür zu schaffen, welche verheerenden Folgen es für das Leben jedes Einzelnen haben kann, und um Methoden zu finden, wie man dagegen vorgehen oder Mobbing verhindern kann. “Es war mein Name, ich war etwas übergewichtig, es war alles, was sie finden konnten”, sagt eine 15-Jährige, die ihren Namen nicht genannt wisen will. “Ich war sehr trauirig. Ich bin jeden Tag von der Schule nach Hause gekommen und habe geweint.”

In den meisten Ländern gibt es Initiativen und Programme, um gegen Mobbing vorzugehen, in manchen sogar Gesetze. Mobbing ist inzwischen auch ein Thema im Internet, die Diskussion darüber, wie man das Problem lösen kann, wird immer dringlicher. Zwischen 20 und 30 Prozent aller Schüler in Deutschland geben an, schon einmal Opfer von Cybermobbing gewesen zu sein.

In Dänemark spricht man offen über das Thema. Umfragen haben hier ergeben, dass in den neunziger Jahren ein Viertel aller elf bis 15-Jährigen schon einmal gemobbt worden sind. Über einen Zeitraum von vier Jahren war die 15-Jährige Opfer von Mobbing und Schikane: “Meine Lehrer haben mir geholfen so gut sie konnten. Aber bei den Schülern hat das nichts gebracht, also habe ich die Schule gewechselt”, sagt sie. “Es war wegen meines Namens, als würden sie nicht glauben, dass ich dänisch bin. Und sie sagten, ich sei fett. Sie haben mich bei allem gemobbt, was ich gesagt habe. Also musste ich die Schule wechseln.”

In vielen Ländern versucht man Kinder zu ermutigen, Hilfe zu suchen. Eltern und Lehrer sind aufgefordert, verletzliche Schüler zu beobachten und etwas zu unternehmen, wenn ein Fall von Mobbing bekannt wird. Auch wer Zeuge von Mobbing wird, soll eingreifen.

In Dänemark geht man inzwischen so früh wie möglich gegen das Problem vor. Wir haben einen Kindergarten im Norden Kopenhagens besucht, auch viele Vor- und Grundschulen beteiligen sich an dem Programm “Frei von Mobbing”. Es ist ein gemeinsames Projekt von “Save the Children Dänemark” und der in Australien geborenen Kronprinzessin Mary. Das Programm war ihre Initiative und wurde von dem australischen “Better Buddies”-Projekt inspiriert. Kindern wird beigebracht, Freunde zu sein und den Gruppengeist zu stärken. Außerdem lernen sie “Stop” zu sagen, wenn sie Ziel von Mobbing sind.

Massage ist ein anderes Schlüsselelement des Programms. So soll Empathie entstehen und gelernt werden, wie wichtig es ist, sich um andere zu kümmern. Die Organisatoren wollen Schlüsselwerte wie Toleranz, Respekt, Achtsamkeit und Mut vermitteln, um bereits in der Kindheit positive Beziehungen aufzubauen. “Es gibt viele Kinder, die kein Selbstvertrauen haben und die fühlen, dass sie gemobbt werden. Das beginnt bereits im Kindergarten”, so einer der Betreuer. “Wenn man es nicht sofort beendet, wird es weitergehen. Viele, die gemobbt wurden, werden später im Leben selbst zu Mobbern. Deshalb ist es wichtig, bereits hier dagegen vorzugehen.”

Zum Unterricht gehören Bücher, Musik und Gesprächsvorlagen. Sechs Mitarbeiter in diesem Kindergarten haben in einer Weiterbildung gelernt, wie man mit dem Material umgeht. Die Rolle der Eltern wird als wichtig angesehen. Die Mutter eines der kleinen Jungen sagt, sie habe bereits Erfolge festgestellt. “Er war eineinhalb Jahre alt und hat nur wenig gesprochen. Er sagte immer ‘Stop’, wenn er etwas nicht mochte. Und wir sehen Einfühlungsvermögen”, berichtet sie. “Wir meinen, es ist wichtig gegenüber anderen Kindern und Menschen Empathie zu entwickeln, sich zu kümmern. Wenn er sieht, dass jemandem etwas weh tut, oder wenn ich traurig bin, nimmt er meine Schulter und fragt, ob ich in Ordnung bin. Daran sehe ich, dass es funktioniert.”

Das im Jahr 2007 gestartete Programm “Frei von Mobbing” findet heute in einem von drei dänischen Kindergärten und einem Viertel der Grundschulen Anwendung. Auch Schulen in Grönland haben das Programm inzwischen eingeführt, andere Länder wie etwa Estland zeigen Interesse daran. In Dänemark ist man zuversichtlich, dass sich die Einstellung gegenüber Mobbing verbessern wird. In Umragen hat das Phänomen bereits stark nachgelassen.

Auf europäischer Ebene untersucht die EU, wie man besser gegen Mobbing vorgehen und wie man nationale Kinderschutzprojekte stärken kann. Wichtig scheint dabei auch, dass über das Problem und über Lösungen möglichst viel gesprochen wird.