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Wann endet die Wirtschafts-Apartheid?

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Wann endet die Wirtschafts-Apartheid?

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Südafrika ist ein rohstoffreiches Schwellenland. Für ein rohstoffreiches Schwellenland läuft die Wirtschaft schlecht. Geplagt von häufigen Streiks, einer angstgetriebenen Kapitalflucht ausländischer Investoren und politischen Ränkespielen vor den Wahlen im nächsten Jahr, wuchs die größte Volkswirtschaft Afrikas in den vergangenen Jahren öfter mit den niedrigsten Raten des gesamten Kontinents – 2013 dürften es 2,1 Prozent werden.

Allein im November ist der Rand gegenüber dem US-Dollar um 1,6 Prozent gefallen, gleichzeitig haben Anleger 2,4 Milliarden US-Dollar an Kapital aus den südafrikanischen Aktien- und Anleihemärkten gezogen.

Und Mandela?

Nelson Mandela, vor knapp einem Vierteljahrhundert auch auf Druck Schweizer Banker wie Fritz Leutwiler, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, auf freien Fuß gesetzt, beendete die Apartheid – politisch. An der wirtschaftlichen Ungleichheit, der tiefen Kluft zwischen Arm und Reich, hat sich unter Mandelas ANC in den letzten zwanzig Jahren kaum etwas geändert.

Bei insgesamt 24,2 Prozent Arbeitslosen sind mehr als 28 Prozent der Schwarzen auf Jobsuche, mehr als die Hälfte unter 25 Jahren haben keinen Job. Ein geteilter Arbeitsmarkt: Leute mit indischen (10,8% Arbeitslosenquote) oder europäischen Wurzeln (6,6% Arbeitslosenquote) müssen mit einem Bruchteil des Risikos rechnen.

Wie es nach Mandela weitergeht?

Verbraucher haben zur Zeit so wenig Vertrauen in die Wirtschaft ihres Landes wie noch nie seit dem Ende der Rassentrennung im Jahr 1994, zeigt eine jüngst veröffentlichte Studie der First National Bank und des Forschungsinstituts Bureau for Economic Research. Das alles bei 5,5 Prozent Inflation.

Der Gouverneur der Notenbank, (Gill Marcus), macht keine Ausnahme. Er hofft, wenigstens den Wertverfall des Rand zu stoppen: „Das Umfeld verbessert sich nicht, weder global noch im Inland. Es ist sehr risikoanfälig und wir müssen all das abschätzen und sehen, was wir machen können.”

Sarkastischer Kommentar des afrikanischen Währungsanalysten Mike Keenan von der Firma Absa Capital: „Wir rücken hier Stühle auf der Titanic.”

Sigrid Ulrich mit Reuters, dpa