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Kathakali, traditionelles Tanzdrama aus dem Süden Indiens

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Kathakali, traditionelles Tanzdrama aus dem Süden Indiens

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Harmonische Landschaften und friedliche Gewässer, gesäumt von alten Tempeln, Synagogen und Kirchen prägen das Bild im südindischen Bundesstaat Kerala. Religion ist bis heute ein fester Bestandteil des Alltagslebens.
Bei Sonnenuntergang beginnt das Spiel der Trommeln. Sie rufen die Gläubigen zum Tempelfest. Die ganze Nacht wird es dauern, beleuchtet von Tausenden Lichtern, mit Elefanten und einem 250-köpfigen Orchester.

Höhepunkt des Fests ist das Tanztheater Kathakali, eine spektakuläre Mischung aus Drama, Tanz, Musik und Ritual. Wörtlich übersetzt bedeutet Kathakali “Geschichten spielen” und entstand vor gut 450 Jahren, also zu der Zeit, als Shakespeare in Europa seine großen Dramen schuf.

Die Geschichten stammen aus den Hindu-Epen Mahabharata und Ramayana, erklärt Kathakali-Tänzer Shri FACT Padmanabhan.

“Kennzeichnend für Kathakali sind äußerst präzise Gesten und Mimiken, Percussioninstrumente, Musik, bunt bemalte Masken, Kostüme und Schminke. Das Besondere ist, dass die Tänzer niemals sprechen, sondern sich nur durch Gesten und Körpersprache ausdrücken.”

Ein ganz wesentlicher Bestandteil ist der Gesichtsausdruck. So werden Gefühle wie Wut, Angst, Mut, aber auch Liebe und Humor dargestellt.
Schon Stunden vor der Aufführung bereiten sich die Darsteller auf ihre Rollen vor. Die prächtigen Schminkfarben werden aus natürlichen Pigmenten angerührt, die aufwendigen Kostüme sorgsam zurechtgelegt.

“Der Schminke entsprechend lassen sich die Figuren in fünf Gruppen unterteilen: Pacha, Kathi, Thadi, Kari und Minukku”, so Padmanabhan. “Jeder Charaktertyp hat in der Kathakali-Tradition eine dominierende Farbe. Das Schminken dauert bis zu 3 Stunden, manche Darsteller schlafen dabei ein. Wer mehr Erfahrung hat, nutzt die Zeit, um in seine Rolle zu gleiten.”

Bei dieser Vorstellung wird eine Geschichte aus dem Ramayana erzählt. Es geht um Hanuman, den indischen Gott in Affengestalt, sowie Ramas Söhne, Luv und Kush.
Traditionell werden Frauenrollen von männlichen Darstellern gespielt. Schauspielerinnen wie Ranjini sind dabei, das zu ändern.
“Mein Vater war ein berühmter Kathakali-Künstler. Als Kind sah ich seine Auftritte und fühlte mich von dieser Kunstform angezogen. Ich brachte mir ein paar Tanzbewegungen selber bei. Mein Vater sah das und zeigte mir die Kathakali-Kunst, wie er das mit seinen Schülern tat. Da war ich fünf Jahre alt.

Kathakali ist eine Ensemble-Performance und eine Männerdomäne. Um anerkannt zu werden, muss man härter arbeiten, als die männlichen Kollegen. Die Auftritte finden in Tempeln statt und dauern die ganze Nacht. Um physisch fit zu sein, muss man hart trainieren, in einem Fort. Ansonsten fliegt man raus.
In keiner der renommierten Schulen Keralas werden Frauen ausgebildet. Wir müssen alles privat erlernen und unser Können unter Beweis stellen. Nur so wird eine Frau als Kathakali-Künstlerin anerkannt.”

Heutzutage gibt es gekürzte Kathakali-Aufführungen in Theatern speziell für Touristen.
Doch die authentische Atmosphäre dieser uralten südindischen Theater-Tradition spürt man am Besten während einer langen Tempelnacht, von Sonnenuntergang bis in die frühen Morgenstunden.