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Liebesbriefe in der Lunchbox

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Liebesbriefe in der Lunchbox

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Einblicke in den indischen Alltag fernab von Bollywood gewährt der Streifen “The Lunchbox” von Ritesh Batra. Er erzählt eine Liebesgeschichte in Briefform. Ila, eine junge Frau, versucht ihren Ehemann mit leckeren Speisen und Liebesbotschaften in der Lunchbox zurückzuerobern. Doch das Essen wird an den Falschen geliefert, einen einsamen Witwer kurz vor dem Ruhestand. Geschehen kann so etwas nur durch einen ganz großen Zufall in der Millionenstadt Mumbai, in der es ein einzigartiges Liefersystem für Essensboxen gibt, die sogenannten Dabbawallahs.

Ritesh Batra: “Das ist eine über hundert Jahre alte Tradition, das gibt es nur in Mumbai, die Lunchboxlieferanten sind Teil des Stadtbilds, ein uralter Beruf. Sie kommen aus demselben Dorf, der Beruf wird vom Vater an den Sohn weiter gegeben. Jeden Tag liefern sie Tausende Essensboxen, die von Frauen für ihre Ehemänner, die in Büros arbeiten, zubereitet werden. Und sie irren sich nie.”

Nimrat Kaur spielt die junge Ehefrau, deren ganzes Leben sich in den eigenen vier Wänden abspielt. Als sie merkt, dass ein anderer, als ihr Ehemann die leckeren Speisen verzehrt, nimmt sie Kontakt auf mit dem Fremden. Ein ungeahntes Fenster zur Außenwelt öffnet sich.

Nimraut Kaur: “Ihre Welt ist winzig klein, ihre Küche ist ihr ganzes Universum, ihr Büro, ihre Firma, ihr Allerheiligstes. Dort fühlt sie sich geborgen. Es ist ein sehr einfaches Leben. Doch dann geschieht das Unerwartete, sie verlässt den gewohnten Pfad und spürt plötzlich, dass sie nur ein Leben hat und es so leben sollte, wie sie es sich wünscht.”

Während des Drehs legte der Regisseur großen Wert darauf, dass sich die beiden Hauptdarsteller so wenig wie möglich begegnen. Nimrat Kaur, die viel fürs Theater arbeitet, spielte in fast jeder Szene allein vor der Kamera, für die Schauspielerin ein echter Luxus.

Nimraut Kaur: “Ich habe mich an all den Briefen inspiriert, die waren ja alle im Drehbuch, warum er dies und jenes schreibt und was ich ihm darauf antworte. Die vielen kleinen Puzzleteile der Handlung waren sehr interessant. Allein vor der Kamera zu stehen war kein Problem für mich, vielmehr eine große Herausforderung und ein Luxus, den man nur selten im Film bekommt.”

“The Lunchbox” ist Ritesh Batras Spielfilm-Debüt. Auf die Idee kam er bei der Vorbereitung einer Dokumentation über die Dabawallahs von Mumbai. Die Geschichten, die er dabei erfuhr, waren so spannend, dass er beschloss, einen Spielfilm zu drehen.

“The Lunchbox” ist auch ein Film über das Thema Einsamkeit, sagt er.

Ritesh Batra: “In Großstädten ist man in der Masse und dennoch allein. Das ist einer der Gründe, warum dieser Film so viele Menschen anspricht. Ich habe darüber nachgedacht, warum das so ist. Ich glaube, eine der universellen Eigenschaften meines Films ist, dass sich die Zuschauer mit dem Thema urbane Einsamkeit identifizieren können.”

“The Lunchbox” wurde erstmals in Cannes in der Nebenreihe “Semaine de la Critique” vorgestellt und lief auf vielen Festivals.

In Indien erfreute sich der Film großer Beliebtheit und wurde um ein Haar zum indischen Oscar-Kandidaten gekürt.