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Wenn kulturelles Erbe Business ist

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Wenn kulturelles Erbe Business ist

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Wir sind im niederländischen Nijmegen. Europa ist das meistbesuchte Touristenziel weltweit. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass das kulturelle und historische Erbe allein 40 Prozent dieses Tourismus ausmachen. Europa verfügt über zahlreiche Kulturrouten. Wie kann man ein kulturelles oder historisches Projekt als Geschäftsmöglichkeit für kleine und mittlere Unternehmen nutzen?

September 1944: Die Alliierten beginnen in den Niederlanden die größte Luft-Boden-Operation aller Zeiten – “Market Garden”. 70 Jahre später verläuft hier die sogenannte “Liberation Route”. Vor einigen Monaten hat der Unternehmer Bert Eikelenboom 11.000 Euro in einen Dodge aus dem jahr 1944 investiert. Er organisiert Führungen zu den den Schlachtfeldern. “2014 erwarte ich einen Umsatz von 30- bis 40.000 Euro”, sagt Eikelenboom, “das Geschäft entwickelt sich. Ich werde ein neues Fahrzeug kaufen und jemanden anstellen, um die Touren durchzuführen.”

Eikelenboom arbeitet mit den Hotels in der Region zusammen. Etwa mit dem Hotel “Erica”, vor dem einer der Gedenksteine liegt, die die “Liberation Route” abstecken. Hotelmanager Marcel Hoogenboom zeigt sich optimistisch: “In diesem Sommer haben drei Busse mit jeweils 60 Leuten aller Generationen hier angehalten. Sie haben sich den Gedenkstein angesehen und unsere Terasse und unser Restaurant besucht.”

Die Unternehmer engagieren sich auch aus Überzeugung, denn die Region war einst besonders von den Befreiungskämpfen geprägt.

Hotelmanager Hoogenboom: “Mein Großvater gehörte dem niederländischen Widerstand an. Er wurde verraten und in das Konzentrationslager Dachau bei München gebracht. Das ist meine Art, mein Versprechen gegenüber meiner Großmutter einzuhalten, dass ich sein Andenken aufrecht erhalten werde.”

Der Tourismus in Europa, das sind 17 Millionen Arbeitsplätze und zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In den Niederlanden sind mehrere Hundert kleine und mittlere Unternehman an der “Liberation Route” beteiligt. Das Projekt vor Ort ist 2008 entstanden. Die “Liberation Route” erstreckt sich von Großbritannien 3000 Kilometer weit bis nach Berlin. Der Gedächtnistourismus hat den Wind im Rücken. Allein hier in der Region zieht er jährlich eine Million Besucher an. Juriaan J. de Mol ist Vorsitzender der “Liberation route”: “Die Zahl der Besucher in Europa hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Die Besucher geben im Schnitt zwischen 150 und 250 Euro pro Aufenthalt aus”, sagt er.

Einer der Schlüssel zum Erfolg ist es, ein immer jüngeres Publikum anzusprechen, etwa mit spielerischen und ausgesuchten Ausstellungen sowie mit neuen Technologien. De Mol: “Wenn sie vor einem der Gedenksteine der ‘Liberation Route’ stehen, können Sie Ihr Handy benutzen. Über einen Flashcode hören Sie dann einen Audiobeitrag darüber, was an diesem Ort geschah.”

Für Hotelmanager Hoogenboom ist klar:

“Für mich sind die Schlüssel zum Erfolg: persönliche Leidenschaft, ein Herz für die Sache, ein sehr guter Businessplan. Außerdem muss man Partnerschaften mit anderen Unternehmen eingehen können.”