Eilmeldung

Eilmeldung

Alexis Tsipras: "Sparprogramme führen zu einem Teufelskreis"

Sie lesen gerade:

Alexis Tsipras: "Sparprogramme führen zu einem Teufelskreis"

Schriftgrösse Aa Aa

Bei ihrem Kongress in Madrid hat die Europäische Linke den griechischen Oppositionsführer Alexis Tsipras zum Spitzenkandidaten und damit zugleich zum Kandidaten für das Amt des Präsidenten der EU-Kommission nominiert. Euronews sprach mit Tsipras in Madrid.

euronews:
Sie kandidieren für das Amt des Präsidenten der EU-Kommission. Wie kommt es, dass Sie zusagten?

Alexis Tsipras:
Für mich sowie für das griechische linke Oppositionsbündnis Syriza ist es eine große Herausforderung. Die Wahrheit ist, dass sich die Lage in Griechenland auf die politischen Prozesse in Europa auswirkt und umgekehrt. Eine linke Regierung in Athen könnte für die Bewohner Europas eine starke Signalwirkung haben. Sie fiele wie ein Stein in ein stilles Wasser und gäbe einer großen Veränderung in Europa eine Chance.

euronews:
Aus Ihrer Sicht sind die Hilfsprogramme für die Krisenstaaten gescheitert. Irland hat jedoch den Euro-Rettungsschirm verlassen, Portugal will das Gleiche im kommenden Juni tun.

Alexis Tsipras

Ich habe diesbezüglich einen anderen Standpunkt. Spanien ist nicht unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft, doch das Hilfsprogramm unterschied sich nicht allzusehr von den Hilfsprogrammen für Griechenland oder Portugal. Dafür gab es bestimmte Gründe, Stolz möglicherweise, was spanischen Politikern auch als Ausrede gedient haben mag. Jedenfalls befindet sich Spanien nicht in der beschämenden Lage Griechenlands. Dort kann der Regierungschef gar nichts entscheiden, auch die parlamentarische Mehrheit kann das nicht. Er braucht die Zustimmung bedeutungsloser Beamter der Troika, die oft völlig verrückte Entscheidungen treffen.

euronews:
Im kommenden Frühjahr planen Sie eine Konferenz zur Schuldenfrage. Für die Bewohner südeuropäischer Länder mag ein Schuldenerlass attraktiv sein, doch wie wollen Sie die nördlichen Länder davon überzeugen? Wie die Deutschen, die der Bundeskanzlerin Merkel erneut zu einer dominanten Position verholfen haben?

Alexis Tsipras:
Ich habe großen Respekt vor den europäischen Steuerzahlern. Der Vorschlag der Europäischen Linken zur Schuldenfrage ist auch für die Steuerzahler nachhaltig und vorteilhaft. Folgt der Süden nämlich weiterhin der Politik Frau Merkels, wird er immer wieder Hilfe benötigen. Sparprogramme führen zu einem Teufelskreis, dem der Rezession und neuer Hilfsanleihen.