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EZB: Draghi schickt Asmussen ein Lächeln hinterher

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EZB: Draghi schickt Asmussen ein Lächeln hinterher

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Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet im Euroraum nur mit einem kleinen Konjunkturplus (1,1%) im kommenden Jahr – nach dem aktuellen Rückgang. Außer schwachem Wachstum erwartet die Notenbank eine längere Phase geringer Teuerung. Ökonomen der Deutschen Bank schließen daher nicht aus, dass die EZB 2014 die Geldschleusen weiter öffnen und Anleihen kaufen könnte.

Moment, meint EZB-Präsident Mario Draghi:

“Um ihre Wirkung auf Preise und Produktion zu entwickeln, muss man der Geldpolitik eine gewisse Zeit lassen. Ich habe es schon oft gesagt, das dauert eine Weile, bis unsere Geldpolitik in der Realwirtschaft Wirkung zeigt. Außerdem, meine ich, haben wir viele Instrumente, um eine Deflation zu bewältigen. Wir sehen dieses Risiko nicht, aber wir sind auf jeden Fall sehr wohl auf der Hut.”

Die Notenbank sieht bei knapp unter 2 Prozent Inflation die Preisstabilität gewahrt.

Wegen des Wechsels des deutschen Notenbank-Direktors Jörg Asmussen drängte Draghi die neue Bundesregierung auf schnellen Ersatz. Mit einem – seltenen – Lächeln sagte er:

“Sein Beitrag zur Arbeit des Vorstands und der EZB ist von unschätzbarem Wert. Wir werden ihn vermissen, wir werden ihn sehr vermissen, wir werden ihn sehr vermissen.”

Asmussen war so etwas wie der “Außenminister” der EZB. Er wechselt als Staatssekretär in das Arbeits- und Sozialministerium unter Andrea Nahles (SPD). Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits Anspruch auf Besetzung des EZB-Postens erhoben. Als Favoritin für seine Nachfolge gilt die Vizepräsidentin der Bundesbank, Sabine Lautenschläger. Die ausgewiesene Fachfrau in Sachen Bankenaufsicht wird von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble unterstützt.

In der EZB gibt es seit Jahren ein Tauziehen zwischen den Südeuropäern, die starke Interventionen der Notenbank befürworten – und den Nordeuropäern, die die Rolle der Notenbank in der Krise begrenzen wollen. Asmussen galt neben Bundesbank-Chef Jens Weidmann als wichtigster Vertreter der Nordländer.

Vor zwei Jahren hatte Jürgen Stark überraschend seinen Posten als EZB-Chefvolkswirt aufgegeben und Axel Weber legte seinen Posten als Bundesbankchef nieder. Auch dieser Schritt hatte mit der Rolle der EZB in der Eurokrise zu tun, vermuteten Insider.

Sigrid Ulrich mit Reuters, dpa