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Der Mond bekommt Besuch aus China

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Der Mond bekommt Besuch aus China

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Die Chinesen auf dem Weg zum Mond. Ihre nach einer Mondfee benannte Sonde ist gut auf dem Erdtrabanten angekommen. Ab einer Höhe von hundert Metern hat sich die Sonde mit Sensoren selbst den günstigsten Landeplatz gesuch. Nach der Landung in der “Bucht der Regenbogen” wurde dann das Mondfahrzeug Jadehase ausgesetzt. Der “Jadehase” rollt auf 6 Rädern über den Monsstaub und sammelt dort Daten.

44 Jahre sind vergangen, seit der Amerikaner Neil Armstrong seinen berühmten “großen Schritt für die Menschheit” auf dem Mond machte. Seit 1969 waren insgesamt 12 amerikanische Astronauten beim Mond zu Besuch. 1976 rollte “Luna 24” aus der Sowjetunion über den Mond.

Die Chinesen verfolgen ein ehrgeiziges Programm. Die Gesteinsbrocken, die der Jadehase sammelt, sollen erst beim nächsten Mondflug 2017 zur Erde gebracht werden. Die Rede ist schon von einer bemannten chinesischen Mondmission in zehn bis 15 Jahren.

All dieser Ehrgeiz gilt natürlich nicht nur wissenschaftlichen Zielen. Wie zuvor beim Wettlauf der Supermächte USA und UdSSR geht es auch jetzt um geopolitische Auswirkungen. 2003 gelang China der erste bemannte Raumflug. Seither kennt die Raumfahrt neben Kosmonauten und Astronauten auch Taikonauten.

Und wie bei den anderen wetteifernden Raumfahrtnationen zuvor, wurde auch dieser Erfolg mit viel Fahnenschwenken in Nationalstolz umgemünzt. Im September 2008 startete Shenzhou 7 mit drei Taikonauten, wobei der erste chinesische Weltraumausstieg durchgeführt wurde. Damit hat sich China den Platz als dritte Weltraumnation gesichert nach der UdSSR – später Russland – und den USA.

Und daran hat auch die europäische Weltraumagentur ESA ihren Anteil. Für den aktuelle Mondflug unterstützt das ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt die chinesischen Kollegen mit Daten von ESA-Stationen rund um den Globus. Die werden für exakte Positionsbestimmungen zu jedem Zeitpunkt gebraucht. Das chinesische Raumfahrprogramm reicht schon bis zu einer eigenen Weltraumstation 2020. Ihre erste Frau im All hatten die Chinesen auch schon.

Das alles ist natürlich auch ein wichtiger Prestigegewinn, den die Volksrepublik sehr gut gebrauchen kann in einem Moment, da der Streit mit Japan um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer ihr weniger positive Schlagzeilen einbringt.

Karl Bergquist ist vom Büro für Internationale Beziehungen bei der Europäischen Weltraumagentur. Euronews bat ihn zum Interview.

EURONEWS: Bei mir begrüße ich jetzt Karl Bergquist von der Europäischen Weltraumagentur (ESA). Karl, sie sind verantwortlich für die Beziehungen der ESA mit China. Welche für Unterstützung hat die ESA angeboten?

BERGQUIST: Wir haben mit den Chinesen ein gegenseitiges Unterstützungsabkommen. Wir waren schon bei den Chang’e-1 und Chang’e-2 Missionen beteiligt – jetzt also auch bei Chang’e-3. Wir begleiten die Missionen mit unserem Netzwerk an Bodenstationen. Solche Stationen haben wir in Spanien, Australien, Französisch Guiana und Südamerika. Als die Kapsel auf dem Mond gelandet war, haben wir zum Beispiel deren Position auf der Mondoberfläche bestimmt, durch eine Dreiecksortung zwischen Australien und Spanien.

EURONEWS: Und wie läuft die Mission? Gab es irgendwelche unerwarteten oder kurzfristigen Probleme?

BERGQUIST: Nein, ich denke alles hat sehr gut geklappt. Als das Landemodul auf der Mondoberfläche aufsetzte, hatten wir sogar eine kleine Party der chinesischen Teams am Kontrollzentrum in Darmstadt. Wir haben gefeiert, dass alles genau nach Plan verlaufen ist.

EURONEWS: Warum hat China die ESA um Hilfe gebeten? Warum nicht die NASA oder die russische Raumfahrtbehörde Rokosmos?

BERGQUIST: Nun, ich glaube unser Missionskontrollzentrum ist wirklich eines der weltweit besten, wenn es um den Betrieb und die Kontrolle von Satelliten geht. Und zweitens unterhalten wir hier schon sehr lange gute Beziehungen mit den Chinesen. Das dürfte ein weiterer Grund sein, warum sie uns um Hilfe gebeten haben.

EURONEWS: Lassen Sie uns über den Mond sprechen. Das letzte Mal, dass jemand eine weiche Landung auf dem Mond hinbekommen hat, war 1976 die damalige Sowjetunion. Warum fliegt man da jetzt wieder hin, was will China dort?

BERGQUIST: Der Mond hat wohl eine symbolische Anziehungkraft, es bedeutet sehr viel, dort zu landen. Es gibt auch eine politische Dimension, und dort hat eine Mondlandung durchaus gewichtige Auswirkungen. Aber der zweite Grund ist die Technologie: Ein Landemodul weich auf dem Mond abzusetzen, den Rover rausrollen und diverse wissenschaftlichen Gerätschaften arbeiten zu lassen – das ist schon eine technologische Leistung. Und der dritte Grund ist einfach die wissenschaftliche Erkundung des Mondes.

EURONEWS: Karl Bergquist, vielen Dank für das Gespräch.