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Aufstieg, Fall und Rettung des Oligarchen Chodorkowski

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Aufstieg, Fall und Rettung des Oligarchen Chodorkowski

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Oktober 2003. Michael Borissowitsch Chordorkowski, der reichste Mann Russlands, wird von einem Spezialkommando aus seinem Privatjet gezerrt und festgenommen. Der Vorwurf klingt simpel: Steuerhinterziehung. Das sollte eigentlich kein Problem sein für den Mann, der wie alle Oligarchen nach dem Ende des Kommunismus über Nacht auf nicht sauber zu belegende Weise reich geworden ist. Aber es geht nicht um ein paar Millionen Steuerschulden, die er locker aus der Portokasse zahlen könnte. Mit den Gewinnen aus seiner Erdölfirma “Jukos” hat er begonnen, oppositionelle Medien und Politikerr zu unterstützen.
Das Fass zum Überlaufen bringt wohl diese LIVE-Sendung aus dem Kreml, bei der Chodorkowski Präsident Putin vorwirft, die Korruption nicht entschlossen genug zu bekämpfen. Damit hat er sich Putin zum Feind gemacht. Wie russische Oligarchen reich wurden, hat nie einen Präsidenten interessiert. Auch nicht, wo der Chemiker Chodorkowski 1995 die 360 Millionen Dollar her hat, um die Firma Jukos zu kaufen – und um Putins Vorgänger Jelzin üppige Wahlkampfspenden zukommen zu lassen. Auch nicht, wie er es anstellt, dass Jukos bald 15 Milliarden Dollar wert ist. Alles ist gut, solange die neuen Reichen sich nur um ihren Reichtum kümmerten. Aber dann fängt dieser Chodorkowski an, sich auch in die Politik einzumischen. Mit seinem Reichtum finanziert er oppositionelle Medien und unterstützt im Parlamentswahlkampf die Partei “Jabloko” – Putins politische Gegner. Da ist Schluß mit lustig! Zwei Monate vor dem Wahltag wird Chodorkowski festgenommen. Sein Geschäftspartner Platon Lebed war schon im Juli verhaftet worden – vielleicht als Warnung, die aber nicht wirkte. Die beiden werden quasi enteignet, ihr Konzern wird zerschlagen. In einem ersten Prozess werden beide zu 9 Jahren Straflager verurteilt. 2010 folgt noch ein Prozeß, der die Strafe auf 14 Jahre erhöht, dann wieder Strafnachlässe. Im August wäre die Haftzeit abgelaufen. Putin hat seinem Gegner gerade mal 8 Monate geschenkt – was nicht bedeutet, dass nicht jederzeit ein russischer Staatsanwalt ein neues Verfahren eröffnen und Chodorkowski wieder in Haft nehmen kann.