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UN-Bericht: Dänen sind die glücklichsten Menschen der Welt

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UN-Bericht: Dänen sind die glücklichsten Menschen der Welt

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Kopenhagen im Dezember. Es ist kalt, dunkel und nass. Eine Trostlosigkeit und Tristesse, die nicht zu der Krone passt, die Dänemark seit zwei Jahren trägt: Es ist das glücklichste Land der Welt. 2012 und 2013 haben die Vereinten Nationen in 156 Ländern ermittelt, wo die Menschen am glücklichsten sind.

Die “Top Five” sind: Schweden, die Niederlande, die Schweiz, Norwegen und auf Platz eins Dänemark.

Glück wird ernst genommen in Dänemark. Dieses Jahr wurde sogar ein Glücksinstitut gegründet, um herauszufinden, was die Dänen so glücklich macht. Der Direktor Meik Wiking sagt:

“Bei den Dänen gibt es ein hohes Maß an Vertrauen in die eigene Bevölkerung. Und man vertraut nicht nur Freunden und der Familie, sondern auch fremden Menschen. Auch das Level der sozialen Sicherheit ist hoch: Man erhält staatliche Leistungen, wenn man arbeitslos wird, die gesundheitliche Versorgung ist gut. Wohlstand ist der dritte Faktor: Armut führt zu einer bestimmten Art von Unglück, also ist das auch ein Faktor. Dänemark ist nicht das reichste Land der Welt, aber uns geht es ganz gut.”

Bjarne Nigaard ist Anwalt und Coach. In seiner Freizeit trainiert er eine Fußballmannschaft. Auch seine sieben Jahre alte Tochter spielt mit. Er ist glücklich, in einem Land zu leben, das ihm die Freiheit gibt, so zu leben, wie er will. Aber die Dänen zahlen auch einen der höchsten Steuersätze der Welt. Bjarne Nigaard sagt:

“Schauen Sie sich um. Das ist alles umsonst. Ich muss nichts bezahlen. Die Stadt hat das gebaut, damit alle hier ihren Spaß haben können. Und wenn ein Kind hinfällt, sich verletzt und ins Krankenhaus muss, ist das auch gratis. Wir zahlen zwar eine Menge Steuern, aber wir bekommen auch etwas dafür. Ich glaube, wir sind glücklich, so wie es ist. Es gibt uns ein sicheres Gefühl.”

Eine Verlässlichkeit, die glücklich macht. Das ist einer der wichtigsten Faktoren, nicht nur für Dänemark, sondern auch für andere Länder, die beim “World Happiness Report” gut abgeschnitten haben. In den fünf glücklichsten Ländern der Welt gibt es auch die kürzesten Arbeitszeiten sowie ein gutes durchschnittliches Jahresgehalt. Aber es werden auch mit die höchsten Steuern der Welt gezahlt, vor allem in Schweden und Dänemark. Ein weiterer Glücksfaktor: Arbeit. In diesen Ländern liegt die Arbeitslosigkeit deutlich unter dem EU-Durchschnitt.

Bjarne und seine Frau sind zufrieden: Zufrieden, dass sie beide eine Arbeit haben und großzügige Elternzeiten mit ihren Kinder genießen konnten. Sie haben das Gefühl, dass Gleichheit und die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, der Regierung wichtig sind. Nanna Nigaard Rosenfeldt sagt:

“Wir sind bestimmt nicht jeden Tag superglücklich. Aber wenn man anfängt, darüber nachzudenken, wenn man sich anschaut, nach welchen Punkten die Länder bewertet werden, wenn man sieht, wie einfach man bei uns im Vergleich zu anderen Ländern Familie und Beruf verbinden kann. Dann sieht man: Wir haben es wirklich besser. Wir zahlen kein Schulgeld. Wir haben ein funktionierendes System. Keine Korruption. Wenn ich höre, was meine italienischen Freunde über ihre Politiker erzählen. Was die alles tun, um Steuern zu umgehen, aber trotzdem alle staatlichen Leistungen bekommen wollen, jede Unterstützung, aber ohne Steuern zu zahlen. Dann bin ich glücklich, hier in Dänemark mit unserem funktionierenden System.”

In Dänemark und seinen skandinavischen Nachbarn gibt es so gut wie keine Korruption. Und trotz mehrerer Volksabstimmungen über die Reduzierung der hohen Steuern wurden sie beibehalten. Das ist der Preis, den man für das Gefühl der Gleichbehandlung zahlen muss.

Peter Gundelach, Soziologe an der Universität von Kopenhagen, sagt:

“Ein britischer Botschafter in Dänemark hat ein Buch über die Dänen geschrieben. Er sagt, Dänemark ist wie eine eingeschworene Sippe: Klein, übersichtlich, jeder kennt jeden und hat den gleichen Namen.”

Aber in so einen Stamm aufgenommen zu werden, ist nicht immer einfach. Natalia Quirola kommt aus Ecuador. Sie kam nach der Heirat mit ihrem Mann Tommy nach Dänemark. Für eine Aufenthaltserlaubnis musste das Paar viele Bedingungen erfüllen: Einen Nachweis der finanziellen Unabhängigkeit für die vergangenen drei Jahre, 8000 Euro Kaution für die Wohnung, beide mussten nachweisen, dass ihre Affinität zu Dänemark stärker als die zu Ecuador ist. Und sie mussten ihr Privatleben offenlegen, um zu beweisen, dass sie keine arrangierte Ehe führen.

Natalia Quirola erzählt:

“Viele kennen diese strengen Aufenthaltsbestimmungen nicht, die für Menschen gelten, die hier leben wollen. Das haben wir bei Unterhaltungen mit Freunden und Bekannten erfahren. Wenn wir davon erzählt haben, was wir durchmachen mussten, waren sie wirklich erstaunt und sagten: ‘Wie kann es sein, dass es so viele strenge Regeln gibt und man so viel Geld zahlen muss?’ Wenn sie das mitbekommen, sind sie entsetzt und fragen sich, warum Dänemark so ist.”

Tommy Quirola ergänzt:

“Es ist eine Gratwanderung. Ich bin völlig damit einverstanden, dass man strenge Regeln braucht, damit niemand unser System ausnutzt. Aber andererseits wollen die Menschen auch mit Würde und Respekt behandelt werden. Und ein System wie das Dänische neigt dazu, Personen nicht wie Menschen, sondern wie Nummern zu behandeln.”

Kritiker werfen Dänemark vor, eine der härtesten Einwanderungsregelungen Europas zu verfolgen.

Jan Gintberg ist ein Schweinebauer gewesen, jetzt arbeitet er als Komiker. Er tingelt durch ganz Dänemark, um ein Gefühl für die Menschen zu bekommen. Laut dem Komiker werden dem dänischen Humor Plattheit und eine gewisse Nähe zum Rassismus vorgeworfen. Aber das sei ein Missverständnis, denn die Dänen machen sich nicht über andere lustig, sondern nehmen sich selbst auf die Schippe. Jan Gintberg sagt:

“Der dänische Humor ist überhaupt nicht rassistisch. Wir pflegen ein bisschen die ‘Kleine-Bruder-Haltung’: Wir sind ein kleines Land, fünfeinhalb Millionen Einwohner und wir glauben, dass es nur einen geringen Unterschied zwischen oben und unten in Dänemark gibt. Und deshalb kann man auch über jeden – auch über die Königin und den Ministerpräsidenten – einen Witz machen, warum sollte man das missverstehen. Denn was bist du für einer, wenn du keinen Spaß verstehst?”

Das dänische Modell scheint perfekt zu sein. Bjarne Nigaard:

“In einem gewissen Sinn macht es mich stolz, dass wir in einem Land leben, das jedem Sicherheit bietet und auch die Ärmsten und Schwächsten der Gesellschaft mitnimmt. Die Amerikaner würden das wahrscheinlich als Kommunismus bezeichnen. Aber für mich ist das einfach nur logisch.”

Seine Frau ergänzt:

“Ich glaube, eine Gesellschaft sollte mehr oder weniger so funktionieren wie in Dänemark. Also wähle ich die Parteien, die dafür gesorgt haben. Und ich bin umso überzeugter, wenn die ganze Welt und die Vereinten Nationen sagen, dass es der richtige Weg ist. Man überzeugt die Menschen auf diese Art und Weise.”