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Nach Begnadigung: Kremlkritiker Chodorkowski vorerst in Berlin

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Nach Begnadigung: Kremlkritiker Chodorkowski vorerst in Berlin

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Michail Chodorkowski will an diesem Samstag seine Familie in Berlin treffen. Dem früheren deutschen Außenminister Hans Dietrich Genscher zufolge geht es dem begnadigten Kremlkritiker den Umständen entsprechend gut; Genscher hatte sich jahrelang für Chodorkowskis Begnadigung eingesetzt.
Der Rivale des russischen Präsidenten wurde am Freitag überraschend freigelassen und reiste umgehend nach Deutschland.

Die bekannte russische Menschenrechtsaktivistin Lyudmila Alexeyeva erklärte, viele Menschen hätten vorhergesagt, dass Putin und Chodorkowski niemals Frieden schlössen. Solch eine unerwartete Begnadigung sei natürlich Anlass zur Freude.

Chodorkowski war 2005 in zwei international kritisierten Prozessen verurteilt worden. Er verbrachte insgesamt zehn Jahre hinter Gittern. Im August hätte er seine volle Strafe abgesessen.

Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskayte sagte im Interview mit euronews in Brüssel, es wäre es möglich gewesen, Chodorkowski früher gehen zu lassen: Denn dazu brauche es kein Gericht. Es scheinen keine Gesetze zu gelten, sondern die Rechtsprechung hänge von einer Person ab – nicht von einem Gericht oder einem Rechtssystem.
Bei der Begnadigung handele es sich um die Vorbereitung der Olympischen Winterspiele von Sotschi. Es habe im Vorfeld kritische Reaktionen auf die Menschenrechtslage in Russland gegeben. Einige Mitgliedsstaaten entschieden darauf, nicht an den Spielen teilzunehmen – auch nicht auf politischer Ebene.

Die Olympischen Winterspiele beginnen Anfang Februar. Mehrere Politiker, unter anderen US-Präsident Barack Obama und das deutsche Staatsoberhaupt Joachim Gauck, hatten angekündigt, den Spielen nicht beizuwohnen.